German  English

eclipseland@home – Mondschatten im Herbstlaub

Die partielle Sonnenfinsternis am 25. Oktober 2022 in Dreieich-Dreieichenhain

Wie zuletzt am 10. Juni 2021 sollte es am 25. Oktober 2022 wieder eine partielle Sonnenfinsternis geben, die - sofern das Wetter mitspielen würde - von zu Hause aus beobachtet werden könnte. Und das war auch mein Wunsch. Wie schön es wäre an den Ort zurückzukehren, an dem ich am 31. Mai 1984 meine ersten Sonnenfinsternisbilder gemacht und am 10. Mai 1994 einen verfinsterten Sonnenuntergang beobachten und fotografieren konnte. Und eine dritte partielle Sonnenfinsternis hatte ich hier beobachtet, und zwar am 12. Oktober 1996, bevor des mich dann ab dem Jahr 1998 zu Sonnenfinsternissen in ferne Länder zog.

Bevor es mich im Jahr 2023 vielleicht wieder in die Ferne zieht, noch einmal zurück zum Ursprung meiner Sonnenfinsternisbeobachtungen, nach Dreieich-Dreieichenhain um dem Mondschatten in der zu Heimat begegnen, das wäre doch schön. Doch würde ich auch hier sein wollen, wenn sich das zweistündige Himmelsschauspiel am Mittag des 25. Oktober 2002 hinter einer geschlossenen Wolkendecke abspielen würde, und es vielleicht sogar regnen sollte?

Als der 25. in den Vorschaubereich der Wettervorhersage von wetteronline.de gerückt war, sah es ganz schlecht aus: drei Tage lang richtig viel Regen, und der 25. der dritte davon. Einige Tage vorher sah die Vorhersage dann aber deutlich besser aus. Der Regen verzog sich auf den Tag vor der Sonnenfinsternis, und am Eclipse-Tag selbst sollte es Sonne und Wolken geben. Das wäre doch was: Auch wenn die Sonne hin und wieder hinter Wolken verschwinden würde, könnte ich vielleicht die partielle Sonnenfinsternis am Wolkenrand fotografisch erwischen, so wie am 31. Mai 1984.

Unsicherheit gab es dann aber noch bis am Morgen vor der Sonnenfinsternis. Im der Wetterradar-Vorschau von wetteronline.de wurde für 12 Uhr (Maximum der Finsternis um 12:10 MESZ) ein Schauer angezeigt, der von Süden über Dreieich hinweg ziehen sollte. Das wäre allerdings ein ungewöhnliches Szenario. An Dreieich ziehen die Schauer erfahrungsgemäß oft vorbei, oder teilen sich auf bevor sie eintreffen, und meistens kommen sie von Südwest, West oder Nordwest. Ich interpretierte die Wettervorhersage so, dass es Schauer geben könnte. doch wo genau sie ziehen, das traute ich wetteronline.de nicht zu vorherzusagen. Und am Morgen des Sonnenfinsternistages bestätigte der Blick auf das Wetterradar meine Einschätzung. Die Ist-Radarbilder zeigten ganz etwas anderes an als die letzten Vorhersagebilder für die gleichen Zeitpunkte. Es gab fast nur tiefe Wolken, und mit 12 Grad schon vor Sonnenaufgang war es recht warm. Diese Wolken würden quellen, und die Topographie (und vielleicht auch die abgeschwächte Sonne während der Finsternis) ihre Dichte beeinflussen, so meine Erwartung. Zudem war die Wolkendecke am Morgen relativ dünn.

Zum Sonnenaufgang in Dreieich-Götzenhain war die Sonne kurz am Horizont sichtbar, bevor sie hinter einer großflächigen Wolke emporstieg, die sich dann weiter ausbreitete, doch, wie gesagt, recht dünn blieb. In der milden Nacht zuvor gab es noch großflächig freien Himmel: Mars in den Wintersternen, ein glasklarer Anblick!

Mars und Wintersterne am 25.10.2022 03:26 MESZ

Sonnenaufgang über Dreieich-Götzenhain am 25.10.2022 08:11 MESZ

Als sich die Sonne dann gegen 10 Uhr hin und wieder durch Lücken in der Wolkendecke blicken ließ, traf ich die Entscheidung, zu Hause zu bleiben, und nicht in Richtung Süden aufzubrechen. Zeitlich wäre ich auch kaum noch weiter als Darmstadt gekommen, ohne etwas von der Sonnenfinsternis zu verpassen, die um 11:11 Uhr beginnen sollte. Mit Alexander Birkner tauschte ich mich seit dem Vorabend aus, der vom Saarland aus in Richtung Osten aufbrechen wollte. Gegebenenfalls wäre eine Fahrt in die Region von Baden-Baden notwendig? Nein, denn auch nach den Vorhersagen von wetteronline.de sollte es auch im Rhein Main Gebiet um 13 Uhr recht wolkenarm sein, nachdem eine Stunde zuvor der Schauer durchgezogen wäre. Also sollte zumindest nach dem Maximum um 12:10 noch ein Blick möglich sein.

Meine Annahme der Wolkenauflösungen über flacheren Gebieten (Oberrheingraben) hatte sich nun schließlich ein wenig, aber genug, bestätigt. Es gab Sonne und Wolken, wobei die Wolken immer wieder sie Sonne durchscheinen ließen, und so als natürlicher Filter dienen könnten. 1984 fotografisch noch ein riskantes Abenteuer (ohne Blick durch den Sucher auszulösen, oder kurz bevor der Auslöser die Abblendtaste löst, versuchen die Augen rechtzeitig zu schließen), doch in Zeiten von digitalen Displays keine Gefahr für die Augen des Fotografen, allenfalls für die Kamera.

Wolkensituation in Dreieich-Götzenhain am 25.10.2022 09:47 MESZ

Nun belud ich mein Auto und es ging die kurze Strecke nach Dreieichenhain, wo ich den Rest des Weges von der Straße aus zu Fuß meine Ausrüstung auf mein Feldgrundstück brachte. Ich hatte mir schon ein paar Tage vorher einen schönen Platz ausgesucht und Stellen gescoutet, an denen ich die Sonnenfinsternis zusammen mit den meist noch belaubten Baumspitzen fotografieren könnte.

Es kam mir noch die Idee eine ActionCam an erhöhtem Standort zu platzieren, eine weitere ließ ich in Götzenhain den Himmel aufzeichnen. Rechtzeitig zum ersten Kontakt war alles einsatzbereit. Gegen 11:07 Uhr ist noch nichts zu sehen, dann starte ich eine Videosequenz, sehe weiterhin den Mond noch nicht auf dem Display meiner an ein Walimex 650-1300mm angeschlossenen Canon EOSM50.

Sonne wenige Minuten vor Beginn der Verfinsterung 11:09 MESZ

Eine Wolke zieht vorüber, gibt die Sonne kurz frei und schluckt sie wieder. Es ist 11:11 Uhr, die Sonnenfinsternis hat begonnen. Drei Minuten später ist auf dem ersten Foto klar zu erkennen: Der Mond hat die oberste Stelle des Sonnenrandes angeknabbert. Am Abend beim Schreiben dieses Berichts sehe ich, dass im Video der erste Kontakt in einer kurzen Wolkenlücke zu erkennen ist.

Die Sonnenfinsternis hat begonnen 11:14 MESZ

Schon nach wenigen Minuten ist die Sonnenfinsternis auf dem Display klar erkennbar. Der Blick mit der Sonnenfinsternisbrille auf die Eclipse ist himmlisch. Nicht nur die verfinsterte Sonne, sondern auch die sie umgebenden durch Streulicht leuchtenden Wolken sind gut zu sehen. Die Wolken sind recht tief und ziehen schnell. Eine schöne Dynamik in den Bildern, immer wieder bilden sich andere Wolkenstrukturen aus, dunkler, heller, und teils auch farbig.

Sonnenfinsternis 2022 11:25 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 11:31 MESZ

Meine ersten Videosequenzen und Bildreihen im Walimex 650-1300mm (bei 650mm) und im Scopos 66/400 APO-ED Refraktor sind gemacht. Nun versuche ich mich an den Motiven "Eclipse mit Baumspitzen". Ein Ahorn, eine Buche und zwei Eichen dienen als Motivgeber, und jeder bekommt eine andere himmlische Kulisse durch die vorbeiziehenden Wolken. Immer mal wieder gibt es Pausen von ein paar Minuten, in denen die Sonnenfinsternis hinter Wolken komplett verschwindet. Das ist gar kein Problem, eher entspannend. Zeit um über das nächste Motiv nachzudenken oder die Natur im Goldenen Oktober zu genießen. Und es ist T-Shirt Wetter. Zwar unter 20 Grad (am Nachmittag zu Hause 19 Grad), aber durch die viele Bewegung, die die Dynamik der Beobachtung zur Folge hat, ist mein Eclipseland T-Shirt genau richtig für die Temperatur.

Sonnenfinsternis 2022 über Ahornspitzen 11:35 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 über Ahornspitzen 11:36 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 über Bäumen 11:39 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 über Bäumen 11:40 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 im Walimex bei 650mm (Ausschnitt) 11:49 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 über Eichenspitzen 11:53 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 11:58 MESZ

Eclipse Chasing in Dreieichenhain

12 Uhr, das Maximum naht, und ich beobachte durch eine Sonnenfinsternisbrille (wie schön hier die verfinsterte Sonne zwischen den Wolken zu sehen ist) und über das Display meiner Canon EOSM50 Kamera, die nun wieder hinter dem Walimex sitzt. Das Maximum um 12:10 Uhr ist gut zu sehen, danach sogar ganz ohne Wolken.

Bei der Beobachtung

Sonnenfinsternis 2022 - Maximum um 12:10 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 - Kurz nach dem Maximum um 12:11 MESZ

Das Maximum ist fotografisch dokumentiert, und ich suche weitere Möglichkeiten für Aufnahmen der Sonnenfinsternis über der herbstlich feuchten Landschaft, mit dem leuchtend grünen Gras und den bunten Blättern an den Bäumen. Noch einmal gehe ich etwa 50 Meter nach Norden, um die auf dem Nachbargrundstück gelegene Eiche als Vordergrund zu bekommen. Den Blick über den Weidezaun zu den Baumwipfeln halte ich nun mit Stativ per Video und auch wieder anhand von Fotos fest. Danach steige ich auf die Leiter zur etwa 4 Meter über dem Boden platzierten ActionCam und versuche genau die richtige Wolkendichte zu erwischen, sobald sie vor der Sonne vorbeizieht.

Sonnenfinsternis 2022 über Dreieichenhainer Feld 12:21 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 über Eichenspitzen 12:28 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 über Eichenspitzen 12:30 MESZ

Die GoPro7 ActionCam filmt die Sonnenfinsternis 2022 über Dreieichenhainer Feld 12:34 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 über Dreieichenhainer Feld 12:36 MESZ

Blick auf die Sonnenfinsternis 2022 über dem Feld 12:37 MESZ

Und dann noch einmal nach Baumspitzen gesucht. An einer nach Westen freien Eiche werde ich fündig. Ein einzelner Ast ragt gerade an die Sonne heran, die inzwischen deutlich weniger verfinstert ist, denn es geht auf 13 Uhr zu und um 13:10 ist der letzte Kontakt angesagt, d.h. der Zeitpunkt an dem die Finsternis endet. Für dieses Ereignis gehe ich noch einmal zu meinen Teleskopen und bekomme das Ereignis im Walimex bei 650mm per Video dokumentiert. Vorher und nachher natürlich Fotos. Nun steht die Sonne weder von Wolken noch von Mond beeinflusst klar und kräftig am Himmel, ein paar Sonnenfleckengruppen sind gut erkennbar.

Sonnenfinsternis 2022 über Eichenspitzen 12:50 MESZ

Sonnenfinsternis 2022 13:08 MESZ

Sonne wenige Minuten nach Ende der Verfinsterung 13:11 MESZ

Das himmlische himmlisch schöne Ereignis ist vorüber. Die Sonne scheint und wärmt. Noch ein Foto von den Beobachtungsinstrumenten und ein paar Videosequenzen per Handy an den genauen Orten meiner Sonnenfinsternisbeobachtungen vom 30.05.1984, 10.05.1994 und 12.10.1996. Die Mittagszeit ist schon vorüber, dennoch halten mich noch ein paar nette Gespräche mit Nachbarn hier, bevor ich meine Sachen zum Auto trage und die Fahrt nach Hause antrete.

Beobachtungsinstrumente

Zu Hause angekommen gibt es erst einmal ein verspätetes Mittagessen im Freien bei 19 Grad, dann geht es daran die Bilder zu verarbeiten und zu sichten. Noch in der Nacht beginne ich diesen Bericht zu schreiben (komme etwa bis zum Beginn der Sonnenfinsternis), stelle meine ersten Bilder online und habe die Regionalzeitung* versorgt.

*Artikel mit Bild erschienen in der Offenbach-Post und der FNP am 27.10.2022

Videos folgen.

Stephan Heinsius, 25.10.2022 und 27.10.2022.

 

 

 

 

Impressum | Keimeno CMS