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Out of Texas - Schwarze Sonne über dem Friedhof

Erlebnisbericht von der totalen Sonnenfinsternis am 8. April 2024 in Black Springs/Arkansas/USA und Reisebericht USA 2024

Wenige Tage vor Beginn meiner Reise zur totalen Sonnenfinsternis am 8. April 2024 in die USA lag der Ostertermin des Jahres mit dem Ostersonntag auf dem 31. März 2024. Mit dem Abflugdatum am Dienstag den 2. April, also direkt nach den Feiertagen, wurde es am Samstag, den 30. März für mich spannend, noch vor Abflug ein paar Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, deren Notwendigkeit nicht eingeplant war. So erhielt ich am Morgen dieses Tages über die entsprechende App die Nachricht, dass meine Kreditkarte wegen Betrugsversuchs gesperrt worden sei. Und diesmal war die Nachricht echt, denn sie kam ja über die sichere App, und nicht wie bereits im November 2023 als Fake-Anruf. Zwei Anrufe bei der in der App genannten Hotline und eine einvernehmliche, ausreichend sichere Lösung konnte gefunden werden, sodass ich die Karte nun doch für meine Reise nutzen konnte.

Bei meinen Reisevorbereitungen hatte ich die Gepäckbedingungen der Fluggesellschaft geprüft, die ich für diese Reise gebucht gehabt hatte. Anhand genauen Nachmessens stellte sich heraus, dass mein Teleskop-Koffer, den ich schon viele Jahre für Eclipse-Reisen verwendet hatte nun so groß sei, dass ich mit 600$ Zusatzkosten allein aufgrund der Größe zu rechnen hatte, weitere 300$ könnten darüber hinaus für Übergewicht anfallen. Für das Geld konnte ich mir auch einen neuen Koffer kaufen. Und ich fand im Internet einen in passender Größe (groß genug, damit mein Equipment reinpasst, aber klein genug, um die Größenvorgaben der Fluggesellschaft zu erfüllen). Beim Samsonite Shop im Frankfurter Flughafen bekam ich nicht das Modell, das ich im Internet gefunden hatte (das war mir für meine empfindliche Ausrüstung zu flexibel), aber einen Alu-Hartschalen-Koffer, der die Anforderungen erfüllte, und sich zudem viel leichter als der alte rollen ließ.

Erst mal genug Adrenalin für diesen Tag. Nun konnte Ostern kommen, und die Reise direkt im Anschluss. Am Ostersonntag warmes sonniges Wetter, Wolken am Nachmittag. Ganz deutlich Frühling mit Schlüsselblumen und Traubenhyazinthen im Garten.

Frühlingsblumen 2024

Montag, 1. April 2024

Der 1. April 2024, Packtag. Kein Aprilscherz: Die Wetteraussichten für den 8. April in Texas sind denkbar schlecht. Ein breites Wolkenband mit Niederschlägen entlang der Totalitätszone. Passend dazu ist das Wetter in Dreieich regnerisch. Aber noch sind es für den 8. April Vorhersagen, und das für den Tag in genau einer Woche. Am Vormittag beginne ich meine ersten Videosequenzen im Wohnzimmer aufzunehmen, mit Vorstellung des Sonnenfinsternisverlaufs.

Am späten Nachmittag beginnt sich die Eclipse-Reisegruppe zu formieren. Alexander Birkner kommt mit dem Auto, und nach dem Sonnenuntergang, den wir noch kurz von der Dachterrasse erwischen, sowie einem Abendessen zu dritt stimmen wir uns auf die bevorstehende Eclipse-Reise ein, suchen nach positiven Aspekten der so schlechten Wettervorhersage für den 8. April in Texas: am nördlichen Rand der Totaliätszone wird ein großflächiges wolkenfreies Gebiet angezeigt, aber wie gesagt, es ist noch 7 Tage hin. Und wir sehen uns teilweise meinen Film meiner letzten Eclipse-Reise im Herbst 2023 "Im Wechselspiel der Gegensätze" an. Dann noch eine gemeinsame Videosequenz mit Alexanders iPhone aufgenommen. Der nächste Eclipse-Film ist schon in Entstehen. Es ist bereits dunkel und wird es noch sein, wenn wir morgen früh aufstehen werden, um uns am Vormittag zum Flughafen zu begeben.

Dienstag, 2. April 2024

Doch die erste Planänderung kommt über Nacht. Unser Flugzeug aus Amerika hat sich verspätet und ist etwa 4 Stunden später als erwartet unterwegs nach Frankfurt. Die geplante Abflugzeit hat sich auf etwa 15 Uhr verschoben.

Beim Frühstück beschließen wir also noch zu bleiben und erst gegen 12:30 Uhr in Richtung Flughafen aufzubrechen. Zeit noch für etwas Schlaf und dann für ein frühes Mittagessen. Renate hat Spaghetti mit Tomatensoße für uns gemacht. Sie ist auf dieser Reise nicht dabei und bringt und mit dem Auto zum Flughafen. Terminal 2, und da ist es recht leer. Die Gepäckabgabe am American Airlines Schalter geht schnell. Noch zuvor treffen wir Cornelius Peetz, der in der Halle sitzt, und nun unsere kleine Reisegruppe auf 3 Personen erweitert.

Eclipse Team 2024 (von links nach rechts): Stephan Heinsius, Alexander Birkner und Cornelius Peetz

Noch ein paar Euros in Dollars gewechselt, und dann durch die Grenzkontrolle. Dahinter noch eine Pause zu Dritt im Wartebereich. Es sind noch drei Plätze nebeneinander frei. Das Durchschreiten der Sicherheitskontrolle geht zügig, praktisch keine Wartezeit. Ebenso nicht an der Kontrolle zum Gate. Welch ein krasser Unterschied zu den langen Wartezeiten im September 2023 beim Flug nach Seattle.

Mit dem Bus geht es aufs Vorfeld, die Treppe hoch in eine nagelneue Boeing 787. Im Flugzeug haben wir Plätze nebeneinander gebucht. Weitere Plätze in der Umgebung sind noch frei, Platz um sich zu verteilen.

Beim Abflug mache ich ein paar Minuten Videoaufnahmen, die Flugroute geht nach Nordwesten, trotz einiger Bewölkung mit Blick auf den Taunus und die sich entfernende Frankfurter Skyline.

Blick zurück in Richtung Frankfurter Skyline

Der Flug findet tagsüber statt. Die Fenster dieses Flugzeugstyps lassen sich elektronisch in ihrer Lichtdurchlässigkeit regulieren, werden zentral so dunkel gestellt, dass man den Eindruck hat in der Nacht zu fliegen. Zeit für mich diese Zeilen niederzuschreiben (lokal in Word-Dokument, um ihn später online zu stellen).

Noch einmal in mein Manuskript meines für 2025 geplanten Buches gelesen und ein paar Filme später geht es schon bald in Richtung Landeanflug auf Dallas. Je näher wir kommen, umso mehr Wolken gibt es, eine flache in der Region Dallas dann ganz geschlossene Wolkendecke. Zum Start und zur Landung habe ich den engen Fensterplatz, wobei das Fenster nur knapp an der Rückenlehen vorbei mit der Kamera zu erreichen ist, aber der Platz noch zum Fotografieren und für Videoaufnahmen reicht.

In Dallas geht es durch das moderne saubere Flughafenterminal D zu den Schlangen an der Einreise, bestimmt eine Stunde haben wir gestanden. Das Übliche: Dann Koffer holen und Mietwagen suchen. Aber wir finden die Wegweiser zur Shuttlestation „Rental Cars“. Nach einiger Zeit kommt ein Shuttlebus und fährt uns über die Autobahn zum mehrere Kilometer entfernten riesigen Mietwagengebäude, sehr ähnlich dem in Seattle. Noch einmal anstehen bei Alamo, dann dauert es eine Weile bis alle 3 Fahrer registriert sind und wir uns dann einen der beiden Minivans aussuchen können.

Ich fahre, Alexander navigiert. Erstes Ziel: ein Aldi-Markt, um Wasser und ein paar Kleinigkeiten zu Essen zu besorgen falls ein Jetlag-bedingter Hunger über Nacht kommen sollte. Aber es ist schon etwa 22 Uhr Ortszeit und Aldi hat schon zu. In einem nahegelegenen kleinen Shop bekommen wir noch Wasser und ein paar Snacks. Dann zum Hotel, eingecheckt, 3 Zimmer auf dem gleichen Stockwerk. Ich habe die 212, packe das nötigste aus, stromhungrige Geräte an die Steckdosen und mich selbst ins Bett.

Mittwoch, 3. April 2024

Wie erwartet bin ich recht früh wach. Richtiges Schlafen ist nach 4 Uhr nicht mehr möglich, ab 5:30 Uhr bin ich auf, sichte meine Bilder vom Vortag und aktualisiere diesen Bericht.

Nach dem Frühstück tauschen wir uns in der Gruppe anhand der Wettermodelle in der Lobby aus. Die schlechten Aussichten für den Südwesten von Texas verfestigen sich. San Antonio, Kerrville und Fredericksburg werden weiterhin als mit starker Bewölkung bedeckt angezeigt. Wir entwickeln einen alternativen Plan: Statt San Antonio wäre Paris in Texas als zentraler Ausgangspunkt besser geeignet. Von Paris aus könnten wir das Scouting umliegender Regionen durchführen, statt von Kerrville und San Antonio aus. Die Überlegung, zu versuchen noch weiter nach Nordwesten zu kommen führen zu keinen weiteren erkennbaren Vorteilen. Einerseits ist das Gebiet starker Wolken weiter parallel zur Totalitätszone ausgerichtet, andererseits ist es dort straßentechnisch schlechter erschlossen, kleinere Straßen, die treppenförmig an der Zentrallinie entlanglaufen.

Ich stelle eine entsprechende Anfrage an das Reisebüro per WhatsApp. Die Entscheidung wollen wir morgen, am 4.4. nach dem Frühstück treffen, um das Ende der Frist der kostenfreien Stornierungen noch einzuhalten.

Wir fahren Einkaufen: Proviant gekauft im Aldi. Ich habe heute alle Fahrten übernommen. Ich bringe das Kühlgut in mein Hotelzimmer in den Kühlschrank.

Dann geht es mit dem Auto zur Beltline Station, einem kleinen, modernen Bahnhof mit großem Park & Ride Parkplatz im Grünen. Wir fahren mit der Orange Line nach Westend im Zentrum von Dallas. Die Verbindung hatte uns eine Hotelmitarbeiterin an der Rezeption rausgesucht, um gut in das Zentrum von Dallas zu kommen, ganz in die Nähe des Ortes, an dem der amerikanische Präsident John F Kennedy ermordet wurde.

Beltline Station

Wir sehen uns um in Donwtown Dallas, „historic district“, fotografieren von verschiedenen Orten aus, unter anderem den Blick auf den Aussichtsturm von Dallas, den Reunion Tower. Wir kommen an die berühmte Stelle, an der John F. Kennedy erschossen wurde. Es ist sonnig und warm, aber nicht heiß. Noch kann ich meinen Anorak anbehalten, er schützt gegen die Sonnenstrahlung und ist Herberge für Zahlungsmittel und Co.. Einige Einzelpersonen, so wie Straßenhändler haben etwas zum Kennedy Mord anzubieten (Dokumente, Bilder, Theorien). Ein berühmter, wenn nicht der berühmt-berüchtigste Kriminalfall der jüngeren Geschichte. Etwas über 60 Jahre ist das her. Eine große Metalltafel trägt Redeausschnitte von John F Kennedy. 2 „X“ sind auf der Straße markiert. Dies sind anscheinend die Stellen, an denen die Schüsse ihr Opfer getroffen hatten.

Blick auf den Reunion Tower in Dallas (Auf der Straße im Vordergrund wurde John F Kennedy ermordet)

Die Meschen sind friedlich, bei herrlichem, frühsommerlichem Wetter. Ein Reiseleiter führt seine Gruppe durch den Ort und erzählt von der schrecklichen Tat. Ein berührender prominenter Ort. Worte des Präsidenten sind auf einer Metalltafel geschrieben, so platziert, dass man diese zusammen mit einem Blick auf den Ort des Attentats lesen kann.

Tafel mit Worten von John F Kennedy

Dallas: An diesem Ort fand das Attentat auf John F Kennedy statt

Dann gehen wir wieder in Richtung der Hochhäuser und essen im „Y.O. Ranch Steakhouse“ Restaurant, sehr lecker: Steak mit Gemüse. Urig und groß, Hörner fehlen nicht.

Restaurant "Y.O. Ranch Steakhouse"

Weiter geht es zu Fuß in die Innenstadt, zu den Hochhäusern. Erstaunlich viel Platz und Sichtmöglichkeiten. Riesige Plakate. Erst sehen wir ein iPhone 15 Plakat, dann eines für die Eclipse. So ein großes Eclipse Plakat habe ich noch nicht gesehen. Eine Eclipsewand im werdenden Eclipseland.

"eye eye iPhone": Alexander fotografiert mit seinem iPhone

Vogelspitze in Dallas

Funkturm zwischen Hochhäusern

Downtown Dallas

Eclipsewand (noch nicht Eclipseland) in Dallas

Hochhaus und Funkturm

Wir alle drei haben Fotos und Videos gemacht. Es fällt mir auf, dass wir drei beim Fotografieren ein Motiv auf den Zentimeter genau an der gleichen Selle fotografieren wollen. Wir haben einen gemeinsamen Blick auf die Dinge des Motivs bzw. Gefühl wo das optimale Fotos für das Motiv herauskommt.

Dann ist der Objektivdeckel von Cornelius weg. Es wird gemeinsam gesucht. Ich habe von Seattle erzählt, wo ich nach Verlust des Objektivdeckels am nächsten Tag noch einmal nach Seattle gefahren bin um ihn – schließlich erfolgreich – zu suchen und zu finden. Wir gehen dabei bis zurück zum Lokal, denn das ist die letzte Stelle an der er ihn definitiv noch hatte. Aber auf dem ganzen Weg wird er nicht gefunden. Dann hat Alexander ihn plötzlich in seiner Tasche, und präsentiert ihn. Cornelius hatte bei einer Fotosituation Alexander den Objektivdeckel zusammen mit der Kamera übergeben, aber ihm dann nur die Kamera wieder zurückgenommen. Beide hatten das vergessen. Umso überraschender war dieser Ausgang einer Objektivdeckelsuche.

Die Sonne steht inzwischen tiefer, noch etwa 1 ½ Std bis Sonnenuntergang. Die Sonne reflektiert an Hochhäusern. Das gibt interessante Lichteffekte: Gebäude im Gegenlicht werden von hinten angestrahlt!

Türme in Dallas

USA Fahne im Gegenlicht

Altes Gerichtsgebäude im Gegenlicht

Wir sitzen an einem Springbrunnen, an den vormittags schon vorbeigegangen waren. Dann gehen wir zum Union Tower weiter. Mit Lift geht es von einem Hotel aus los. Oben gibt es Blicke auf die Skyline in tief stehender Sonne, dann in Dämmerung, Blick auf Flugzeuge hinter der Skyline. Nach Sonnenuntergang gibt es viele Lichter, die sich erstaunlich hell gegen den Dämmerungshimmel präsentieren, und gegen die Hochhausbeleuchtung. Das ist ein sehr schöner bunter strahlender Anblick. Ich habe davon sehr viele Fotos und Videos gemacht.

Im Keller vom Reunion Tower

Skyline von Dallas bei Sonnenuntergang

Sonnenuntergang in Dallas

Skyline von Dallas bei Sonnenuntergang

Dallaser Lichtermeer in der Abenddämmerung

Skyline von Dallas im Lichtermeer

Reunion Tower

Nach etwas Warten auf den Zug geht es dann mit der Bahn zurück, und mit Auto weiter zum Hotel. Abendgegessen haben wir dann gemeinsam auf meinem Zimmer, Zimmer 212. Lagebesprechung: Die Wettermodelle haben sich stabilisiert auf eine Front, die von der mexikanischen Grenze bis weit nordöstlich von Dallas geht: dichte Wolken, aber nahe von Dallas und nordwestlich von Dallas sieht es noch am besten aus in Texas.

Ein Angebot des Reisebüros für die vier Nächte vom 5. Bis 9. April in Paris liegt für drei verschiedene Hotels vor. Eines sticht mit einem um ca. 800€ niedrigeren Preis vor den anderen beiden hervor. Während dieser Preis „normal“ erscheint, sind die anderen eclipse-bedingt deutlich erhöht. Allerdings haben sich die Stornierungsfristen als zu optimistisch herausgestellt, eine Entscheidung muss noch an diesem Abend getroffen werden, um Stornogebühren zu vermeiden.

Die Hotels erscheinen etwa gleichwertig, wir entscheiden uns für das mit dem „normalen“ Preis. Ich gebe unsere Entscheidung an das Reisebüro weiter.

Ich bin müde, lade dann aber noch die aktuellsten Bilder von der Kamera auf den PC.

Donnerstag, 4. April 2024

Aufgewacht gegen 7:10 Uhr, Duschen, Frühstück. Das Wetter ist wieder wie gestern wolkenlos, sonnig. Die Hotelumbuchung wurde vom Reisebüro bestätigt, es wurden jedoch teilweise andere Preise angekündigt. Ich packe meine Sachen zusammen und bringe mein Gepäck zum Auto. Die Fahrt heute geht nach Austin, Alexander fährt, später Cornelius. Ich sitze hinten. Nach einer Weile steht auch die Verbindung von Alexanders Hotspot im Auto. Er hat ein Datenvolumen-Kontingent, das er auf diese Art und Weise in der Gruppe teilt.

Wir kommen an Dallas vorbei und fahren über eine der zahlreichen Autobahnschlangen, die wir gestern vom Reunion Tower gesehen hatten.

Auf dem Weg nach Austin: Fahrt über Autobahnschlangen bei Dallas

Auf meinem Laptop checke ich die neuesten Wettermodelle auf windy.com. Nach EMFWC hat sich das Wolkengebiet ein paar 10 Kilometer nach Südosten verschoben und zeigt nun für Paris sensationelle 0% Bewölkung an, der beste Wert weit und breit. Unsere Entscheidung von gestern Abend für Paris ist ja wie ein „Sechser im Lotto“. Doch dann kommt wieder etwas Ernüchterung, als das GFS-Modell noch über 60% Bewölkung für Paris zeigt, und das wolkenarme Gebiet nördlich von Paris. Wie auch immer, es zeichnet sich ab, dass in dieser Region das Gebiet starker Bewölkung und eines mit geringen bis keinen Wolken aneinandergrenzen werden.

Nun kommt auch die Buchungsbestätigung für das Hotel in Paris, und die Stornierungen, inkl. der Abrechnungen. Ich lese die e-mail des Reisebüros in der Gruppe vor und wir sind überrascht von den hohen Preisen. Hatte doch das Holiday Inn Express in Paris für die 4 Nächte etwa 800€ unter zwei anderen Hotels gelegen. Doch nun waren es etwa 400€ mehr. Ich sehe noch einmal auf die Seite des Angebots, über den gleichen Link. Die Zahlen sind mit Ausnahme einer identisch. Für das gewählte Hotel steht nun „1.“ vor der dreistelligen Zahl, die ich gestern gelesen hatte. Habe ich da einen ganz großen, teuren Bock geschossen, und diese zwei Zeichen übersehen? Das Angebot ging ja nur an mich, habe es in der Gruppe nur vorgelesen, nicht gezeigt, keinen Screenshot gemacht. Die Rückfrage beim Reisebüro ergibt eine Bestätigung, dass die Preise bereits gestern so hoch waren. Warum ich die 1 bei diesem Hotel nicht gesehen habe, wohl aber bei den anderen beiden, bleibt mir ein Rätsel. Wir klären noch die Deckungen der Kreditkarten, alles OK. Wir sind uns in der Gruppe einig wie wir mit dem Thema umgehen und fahren bei sonnigem Wetter Richtung Süden auf dem Highway nach Austin. Einen kleinen Mittagsimbiss haben wir etwa 100 Meilen vor Austin genommen, und ich habe den Luxus im Auto während der Fahrt diesen Bericht zu schreiben.

Eine kurze Pause an der Autobahn. Das letzte Stück bis Austin fährt Cornelius. Ankunft im Best Western Aiden in Austin bei ca. 30 Grad und Sonnenschein. Wir sind in Zimmern untergebracht, vor denen das Auto direkt geparkt werden kann. Ich bin im Zimmer 106. Nach einer Pause auf den Zimmern geht es weiter im Auto nach Austin. Ich fahre, Alexander navigiert. Wir parken an einer Brücke in Austin. Auf der anderen Seite des Flusses sind die Hochhäuser der Skyline. Der Parkplatz ist gebührenpflichtig. Alexander scannt den QR-Code und bezahlt über die Webseite des Parkplatzes.

Zu Fuß geht es über die Brücke, deren Fuß- und Fahrradweg unterhalb der Straße verläuft, mit schönem Blick auf den Fluss und die Skyline. Wir machen Fotos und Videoaufnahmen, wir alle drei. Auch hier gibt es Sonnenspiegelungen durch die Hochhäuser. Die Häuser stehen hier enger als in Dallas. Es ist hügeliger, ansonsten ziemlich ähnlich.


Skyline von Austin

Wir laufen bis zum Kapitol. Vor dem Kapitol machen wir Pause unter Bäumen, essen bei einem Italiener, ich ein Nudelgericht, die anderen beiden haben Pizza. Nach 3 Stunden Parkzeit verlängert Alexander um weitere 3 Stunden, 2 waren nicht möglich, eine zu wenig.


Kapitol in Austin


Reiterdenkmal am Kapitol in Austin

Weiter geht es in der frühen Dämmerung zu einer Brücke. Hier stehen viele Leute auf der Ostseite, aber nicht wegen Skyline in der Dämmerung, sondern wegen Fledermäusen, die in Schwärmen am Osthorizont entlangziehen. Alexander hatte mit Leuten gesprochen. Es ist ein schöner Sommerabend, gute Stimmung. Unter den Autos und Motorrädern einige Lärmterroristen, das ist teilweise abartig laut. Aber das trübt meine Stimmung nicht, die Lichter der Skyline am Sommerabend in der Dämmerung an einem weiteren klaren Tag in Texas sind beeindruckend.


Abendstimmung in Austin

Zurück geht es an einem Spazierweg am Fluss, die Skyline ist durch Bäume hindurch zu sehen. Wir kommen zum Parkplatz und fahren zurück um Hotel, ich mache meine Notizen von heute und gehe ins Bett.

Freitag, 5. April 2024

Die Hitze von gestern ist am Morgen verschwunden, es ist angenehm frisch. Nach dem gemeinsamen Frühstück im unangenehm kühlen Frühstücksraum und einen kurzen Austausch über die heutige Fahrtroute über Alexanders Landkarte (in der er die Totalitätszone und Zentrallinie eingezeichnet hat) geht es zum Auschecken. Wir blättern durch eine Eclipse-Zeitung die in der Lobby ausliegt, aber ich entscheide mich dazu, diese aus Gewichtsgründen nicht mitzunehmen. Alexander hat die wichtigsten Seiten mit dem Handy abfotografiert.

Blick auf die Route von Austin nach Paris

Parken vor den Zimmern im Best Western Aiden in Austin

Dann geht es zur 7-11 Tankstelle gegenüber. Volltanken, der Tank war halb leer. Die heutige Strecke von Austin nach Paris (Texas) teilen wir und, ich fahre zuerst, dann Alexander und dann Cornelius. Mittagessen gibt es in einem Mac Donald’s an der Autobahn in einem Ort namens West.

Am späten Nachmittag kommen wir in Paris an. Hier ist es anscheinend feuchter. Zwischen den Wiesen und Äckern gibt es hin und wieder kleine flache Seen. Die nicht hohen Wälder erinnern fast etwas an Mangroven, denn auch hier steht hin und wieder Wasser. Auf der Fahrt nutze ich die Zeit, um die Gegend um den Ort Clarksville auf Google Maps zu scouten. Clarksville liegt östlich von Paris auf der Zentrallinie, mit 4 Minuten und 20 Sekunden Totalität und ich finde 8 interessante Orte.

Im Holiday Inn Express Paris angekommen geht es Einchecken, dann mit dem Gepäck auf die Zimmer (ich habe Zimmer 223, Alexander 224 und Cornelius 219).

Nach einer kurzen Pause fahren wir gegen 18:30 Uhr zum hiesigen Eiffelturm, der einen Cowboyhut aufhat. Dort angekommen sehen wir, dass ein Festival stattfindet, das aber nicht sehr voll von Leuten ist. Zahlreiche Stände sind aufgebaut, und eine Rockband spielt. Auf Rückfrage erfahren wir von den Parkplätzen auf der anderen Seite und parken dort. Dann gehen wir zum Eiffelturm, der vielleicht gerade eine Höhe von 10 oder 15 Metern erreicht. Hier sind ein paar Fotos angesagt. Von etwas weiter weg wird eine schöne Silhouettenaufnahme der Turmspitze mit Hut möglich, vor von der untergehenden Sonne angestrahlten Cirruswolken.

Eiffelturm in Paris (Texas)

Dann gibt es ein Gruppenbild mit Zeitauslöser von Alexanders Handy. Eine Militärgedenkstätte nebenan sehen wir uns in der frühen Dämmerung an, als es dunkel wird sitzen wir im Auto zum Abendessen, und fahren dann zum Hotel.

(Bild folgt)

Eclipse Team 2024 vor dem Eiffelturm in Paris (Texas), Foto: Aexander Birkner

Auf dem Zimmer schreibe ich noch die Ereignisse des Tages auf, und die Reinschrift des Berichts bin zu Beginn des 4.4. und stelle diese online.

Samstag, 6. April 2024

Heute werde ich erst gegen 9 Uhr wach, es war ja ein gemütlicher Tag mit etwas Scouting angesagt. Doch sogleich ruft jemand vor der Tür meinen Namen und ich öffne. Cornelius hat einen besonderen „Morgengruß“ für mich bereit. „Wir haben einen Notfall“ sind die Worte 2 bis 5 die ich heute vernehme. Ein Eclipse Chaser aus unserer WhatsApp Gruppe hatte gestern Probleme mit seiner Kreditkarte bei Abholung des Mietwagens, die heute morgen noch nicht gelöst waren. Wir einigen uns schnell. Ich bleibe hier, bis 10 Uhr bekomme ich Frühstück und für das Mittagessen habe ich unseren Proviant hier, bzw. einige zu Fuß erreichbare Restaurants. Alexander und Cornelius fahren nach Dallas, denn Alexander kann Kreditkarten-Hilfe leisten. Wenn alles wie geplant verläuft, sind wir heute Nachmittag 5 Personen mit 2 Autos in unserer Gruppe.

Nach der morgendlichen Dusche gehe ich frühstücken. Im Fernsehen sehe ich einen Bericht über die Sonnenfinsternis am kommenden Montag. Die erwartete Bewölkung in Texas ist eine der Schlagzeilen. Doch ich bin ganz entspannt. Alexander hat mir noch vor der Abfahrt durchgegeben, dass die Wetteraussichten für die Region Paris noch besser als gestern seien, das Wolkengebiet jetzt noch etwas südöstlicher als zuvor erwartet wird.

Fernsehbild zur Eclipse (The Weather Channel) am 06. April 2024 in Paris/Texas

Für mich ist heute Waschtag. 3 T-Shirts sind dran. Nach 45 Minuten hole ich sie aus dem Trockner im Flur, mit 0,25$ die bisher billigste Dienstleistung die ich hier in Anspruch genommen habe. Ich nutze die Zeit um diesen Bericht auf den neuesten Stand zu bringen und Bilder zu bearbeiten.

Gegen 16 Uhr bin ich fertig damit und sehe mich draußen um. Eine riesige amerikanische Fahne weht etwas südöstlich des Hotels, in die Richtung gehe ich mal. Es scheint noch die Sonne, aber dann zieht eine Wolkenfront auf, und mich zurück zum Hotel.

Große amerikanische Fahne in Paris/Texas

Aufziehende Wolken über Paris/Texas

Gegen 16:45 Uhr sind Alexander und Cornelius wieder da. Es lief doch anders als geplant, unsere Gruppe wird nun allenfalls zur Eclipse-Beobachtung auf 5 Personen anwachsen, die anderen beiden bleiben erst einmal in Dallas.

Zunächst macht Cornelius ein Foto von Alexander und mir vor dem Hotel, wir haben heute beide das T-Shirt von Argentinien 2019 an, unserer inzwischen fast 5 Jahre zurück liegenden gemeinsamen Sonnenfinsternisreise. Wir fahren zum Aldi Einkaufen. In nahe gelegenen Modegeschäften bleibt dann aber die Suche nach einem Eclipse-T-Shirt erfolglos. Das einzige, das es gab gefiel uns nicht, weder in Design noch in Qualität. Auch beim Wal-Mart wurden wir nicht fündig. Alexander hatte erfahren, dass jemand beim Wal-Mart eines bekommen hätte.

Alexander Birkner und Stephan Heinsius vor dem Holiday Inn Express Hotel in Paris/Texas

Um das Scouting zu beginnen war es inzwischen zu spät (wir sehen uns die Orte an die ich in um Clarksville herum auf Google Maps gescoutet hatte, dafür teile ich meine Google-Maps-Liste per WhatsApp), eher Zeit an das Abendessen zu denken, das wir gegen 19:30 Uhr auf meinem Zimmer zu uns genommen haben. Noch ein paar Ideen ausgetauscht was Wettervorhersage und mögliche Standorte angeht: Nun sind die Vorhersagen wieder schlechter für diese Region, es gibt aber immer noch Abweichungen in den Modellen.

Ich scoute über Google Maps noch einige Orte in der Nähe von Paris, finde einen in Sulphur Springs südlich von Paris und einen in etwa 4 Autostunden Entfernung in Arkansas. Soweit könnten wir ggf. noch fahren. Ich speichere mir all diese Koordinaten in Google Maps ab.

Sonntag, 7. April 2024

Der Tag vor der Sonnenfinsternis ist für das Scouting eingeplant. Ich hatte verschiedene Standorte in der Region Paris auf Google Maps gescoutet, aber wir setzen uns den Northfork Lake in Arkansas als Ziel, den weit gelegensten Punkt meiner Scoutings. Der liegt nahe der Zentrallinie und bietet mit einer öffentlichen Fläche einen abgelegenen Beobachtungsort.

Aber zunächst steht eine Venusbedeckung an. Alexander hatte herausgefunden, dass diese in Paris zwischen 11:18 Uhr und 11:52 Uhr sein sollte. Vor der Scouting Fahrt versuche ich den Mond im Teleobjektiv zu finden, so platziert, dass das Hotelgebäude die Sonne abschattet. Doch im Sucher ist nichts zu erkennen. Ich mache etliche Fotos „im Blindflug“. Vielleicht wäre später etwas darauf zu erkennen. Zu um 11:18 Uhr waren wir schon unterwegs. Da haben wir kurz angehalten, ich wieder Bildflug-Fotos gemacht, die Stelle etwa 16 Grad westlich der Sonne über eine Baumspitze angepeilt. Ein kurzer Blick einige der Bilder am Abend ergibt einen Treffer. Kontrastverstärkt sind Mond und Venus zu erkennen. Auf dem Weg dahin sehen wir uns um, halten an verschiedenen Orten und sehen uns dort um. 

Mond und Venus

Erster Punkt ist nahe der Brücke über den Red River, der Grenze von Texas zu Oklahoma. Wir sehen uns am Nordufer um. Hier würden wir an der Klippe mit Blick auf Fluss und Brücke beobachten können.

Red River

In Idabel finden wir nahe eines Flugplatzes ein großes weites Grasland. Auf einem Hügel stehen ein paar Bäume. Eine Schotterstraße führt dorthin. Keinerlei Hinweis auf ein Gate, eine Sperrung oder Kennzeichnung als Privatgelände. Hier könnten wir unterhalb der Bäume mit Blick nach Süden beobachten, und hinter einem Asphaltschutthügel einen Windschatten finden.

Weiter geht es bis Broken Bow. Am dortigen Walmart frage ich nach Eclipse T-Shirts, aber es gibt keine. Zurück am Auto bin ich 24 Stunden vor Totalität. Alexander testet gerade seine Eclipse Anssage App, und ich mache ein Foto von der Sonne 24 Stunden vor totaler Verfinsterung, direkt über einem Mac Donald’s „M“. Hier essen wir Proviant zu Mittag im Auto.

Sonne über Mac Donald’s 24 Stunden vor Totalität

Wir kommen dann in immer hügeligeres, stärker bewaldetes Gebiet. Keine Möglichkeiten für eine Beobachtung. Auf einer Anhöhe gibt es guten Blick nach Norden, aber auch hier wie fast überall Privatland mit einem Zaun drum herum. An der Straße unter Strommasten zu stehen wäre allenfalls etwas, wenn es keine andere Option gäbe. Die schöne Landschaft wäre nur auf dem Privatgelände gut zu erleben.

Nach dem Ort Mena sehe ich eine Schotterstraße, auf Google Maps vielversprechende Blicke nach Süden und Südwesten. Etwas weiter im Tal finden wir einen Platz in einem alten Steinbruch, wo bereits ein Wohnmobil steht. Der Ort liegt war etwas im Tal, aber dafür erwarten wir hier recht ungestört beobachten zu können. Etwas oberhalb des Platzes der in Google Maps als Parkplatz gekennzeichnet ist kommt man in einen lichten Wald, ein paar Meter oberhalb des Platzes sind ein paar Bäume gefällt, und auf dem trockenen Boden ließe sich beobachten. Weiter im Wald finden wir eine kleine Lichtung, die Bäume haben nur wenige zarte Blättchen. Der Platz gefällt uns. Hier wären wir sicher alleine und wir setzen den Ort ganz oben auf unsere Liste. Langsam gehen wir zurück zum Auto.

Schmetterling an lila Blüten

Lichtung mit Südblick oberhalb eines Steinbruchs

Bei der Abfahrt von diesem Ort, Cornelius fährt, kommt ein Buggy entgegen und wir werden angesprochen, auf rüde Art und Weise. Der stämmige Fahrer mit Stoppelbart und nicht mehr allen Zähnen gibt sich als Landbesitzer aus. Als Cornelius ihn nicht gleich versteht wird dennoch schnell klar, dass es das Beste ist, ihn dadurch zu beruhigen anzukündigen das wir den Ort verlassen. Damit ist er zufrieden. Wir fahren und streichen den Ort gedanklich von unserer Liste. Zum Northfork Lake wollten wir gar nicht mehr fahren, als wir den Standort am Steinbruch gefunden hatten, doch der See ist nun wieder unser Ziel. Wir kommen wieder auf eine Schotterstraße, die nach und nach schmäler wird, so schmal, dass es schwierig wäre einem entgegenkommenden Auto auszuweichen. Und sie wird steiniger. Unsere Adrenalinpegel steigen Meile für Meile. Aber es geht gut: keine zu tiefen Löcher oder Pfützen in der Straße und kein Gegenverkehr. Dafür bereits einige Autos an dem See.

Northfork Lake in Arkansas

Alexander fragt gleich zwei Männer, die draußen stehen, ob dies ein öffentliches Gebiet sei. Das wird bestätigt, ein National Forest, mit Campingerlaubnis. Wir kommen mit den beiden ins Gespräch. Sie wohnen gerade bei Onkel und Tante von einem, und laden uns ein auf deren Grundstück zu beobachten. Als ich dann erfahre, dass sie beide gleich dorthin fahren wollen, schlage ich in der Gruppe vor, die Gelegenheit zu nutzen das Grundstück gleich ansehen zu können, anstatt morgen ohne Sichtung des Grundstücks entscheiden zu müssen, ob wir dorthin fahren oder nicht. Ich übernehme den Fahrerplatz und es geht den beiden hinterher, sie haben einen selbstgebauten Anhänger am Auto. Auf diesem Weg sind die Wege noch schlechter, aber wir kommen gut durch, sind aber froh, als wir schließlich Asphaltstraßen erreichen.

Dann sind wir auch schon da, wir biegen rechts auf das Grundstück in Black Springs, einen Ortsteil von Norman ein. Der Onkel namens Fritz begrüßt uns und lädt uns ein überall auf seinem Grundstück zu beobachten. Doch hier gibt es zwei Straßenlaternen, die die Beobachtung stören würden. Ich frage, ob es erlaubt sei, auf dem benachbarten Friedhof zu beobachten. Der liegt gegenüber der Straße auf einem Hügel. Keine Bäume, nur die Grabsteine und ein paar Fahnen, und: kein Licht. Er sagte da habe niemand etwas dagegen. Uns wird gesagt, das Einzige, das auf dem Friedhof nicht erlaubt sei, sei Gräber zu öffnen.

Wir tauschen uns noch ein wenig aus und wissen uns hier herzlich willkommen. Sich nicht entmutigen zu lassen und weiterzumachen hat diesen Tag für uns zum Positiven entwickeln lassen. Auf dem Friedhof verläuft eine kleine Rundstraße, die wir benutzen dürfen, Drive-In sozusagen. Etwas hinter dem Hügel gibt es eine gute Stelle für die Beobachtung, der Südhorizont mit Grabsteinen als Silhouette, und auch das Auto ließe sich hier gut abstellen. Der Platz gefällt uns. Nur wenn das Wetter dagegensprechen würde, würden wir hier nicht beobachten wollen.

Sonnenuntergang am Friedhof in Black Springs

Kurz vor Sonnenuntergang verlassen wir den Friedhof. Auf der etwa 3-stündigen Fahrt zurück nach Paris machen wir Essenspause bei Mac Donald’s. Ich fahre. Kurz nach 23 Uhr sind wir am Hotel. Die Nacht wird mit etwas unter 4 Stunden Schlaf sehr kurz, ich stelle meinen Handywecker auf 5 Uhr, nachdem ich bereits einige WhatsApp INteraktionen mit Deutschland habe, dort ist es bereits Montag morgen.

Montag, 8. April 2024

Zwei Minuten bevor mein Handywecker klingelt wache ich auf. Noch vor dem Frühstück, das es ab 6 Uhr gibt, sehe ich mir die aktuellen Wettermodelle an. Diese sind jetzt insgesamt nur ein wenig besser für Black Springs als für Paris. Ich bringe meine Sachen zum Auto. Dort begegne ich Wolfgang Ott, der sein Auto gerade neben unseres geparkt hatte. Er ist wie verabredet mit seiner Tochter Emma aus Dallas gekommen.

Nun ist unsere Gruppe doch auf 5 Personen mit 2 Autos gewachsen. Eine Diskussion der unentschiedenen Wettersituation führt zur Einigkeit, dass wir aufgrund des attraktiveren Standorts in Black Springs uns für die Autofahrt und die Eclipse-Beobachtung dorthin entscheiden. Nach dem Frühstück und einer Ansage per GoPro auf dem Parkplatz geht es los. Die Dämmerung hat begonnen und ist bereits fortgeschritten. Zeitlich sind wir statt 6:30 Uhr gegen 7 Uhr losgefahren, aber das ist kein Problem, genug Pufferstunden sind eingeplant.

Am Rand von Paris gibt es einen kurzen Fotostopp zum Sonnenaufgang an einer Hauszufahrt. Alexander fährt und ich nutze die Zeit im Auto meinen Bericht zu schreiben.

Sonnenaufgang in der Nähe von Paris Texas

Nach etwa 3 Stunden kommen wir in Black Springs an und treffen auf unsere Bekannten vom Vortag, tauschen uns aus. Eine nette Runde, wir werden so herzlich empfangen. Der Anhänger von gestern ist offen, dort eine Grillküche in Aktion, echt urig, und mir gefällt die damit verbundene Unabhängigkeit. Er hatte ihn selber gebaut. Jetzt ist darin ein Toaster und Grill aktiv.  

Wir fahren zum Friedhof rüber, um unseren Beobachtungsort aufzusuchen. Ich sehe mich um, schlage Alexander vor, ein paar Meter weiter südöstlich aufzubauen. Da hat man einen schöneren Blick auf den Hügel und die Grabsteine, ohne dabei einem der Gräber zu nahe zu kommen und ohne dabei die Straße zu blockieren.

Ich baue meine Beobachtungsinstrumente auf, Alexander rechts neben mir, Cornelius und Wolfgang noch weiter rechts. Der erste Kontakt ist für 12:31 Uhr angesagt, ich mache einige Aufnahmen mit meiner GoPro. Ab dem ersten Kontakt geht es an die großen Optiken. Zu Beginn der ersten partiellen Phase ist die Sonne teilweise in dünnere Wolken gehüllt, doch die, so meine Erwartungshaltung, werden noch in der ersten partiellen Phase verschwinden, und das ist auch weitgehend so. Zudem bin ich was die Wolken angeht sehr beruhigt, denn die Cirrenstreifen, die es gibt, stehen südlich von uns und ziehen von Westen heran.


Aufbau der Beobachtungsinstrumente (Einzelbild aufgenommen mit der GoPro 7)

Beobachtungsinstrumente auf dem Friedhof von Black Springs um 11:58 CDT


Erste partielle Phase um 13:17 CDT

Sonne während der ersten partiellen Phase um 13:35 CDT

Beobachtungsinstrumente während der ersten partiellen Phase

Ich kann erfolgreich mein Handy nutzen, um die ESO R5 via Bluetooth auszulösen, und mein Tablet, um die EOS M50 per WLAN auszulösen. Doch das bricht immer mal weg, und muss neu verbunden werden. Die erste partielle Phase ist in vollem Gange, Vögel zwitschern, und es ist nicht mehr heiß. Schließlich rückt die Totalität heran, es ist deutlich kühler geworden. Noch etwa 5 Minuten bis zum 2. Kontakt. Ich starte die GoPro Kameras, die ich auf eine Schiene montiert habe, sodass die GoPro 7 die Eclipse mit Grabsteinen am Horizont aufnimmt und die GoPro 3+ mich und meine Beobachtungsinstrumente. Das hatte ich ursprünglich 10 Minuten vor Totalität geplant, mache es aber bewusst später, weil der Akku der GoPro 7 nur noch 44% angezeigt hatte.

Erste partielle Phase um 13:43 CDT (5 Minuten vor dem 2. Kontakt)

Dann starte ich die Canon EOSR5, die mir Uwe Müller ausgeliehen hat (er hatte sich kürzlich eine neue gekauft) mit der geplanten 3D Fisheye-8K-Videoaufnahme. Nun geht es an die großen Optiken, und hier löst sich die Schwierigkeit die Kameras dem Lauf der Sonne nachzustellen nicht. Beide Stative haben die Eigenschaft, dass sich der Bildausschnitt nach Festdrehen immer wieder leicht ändert, mit der Folge, dass noch einmal eingestellt werden muss. Da ist technischer Verbesserungsbedarf angesagt. Bei 1000mm (Canon EOS R5 mit 100-500mm mit 2x Tele-Extender) ist das jedoch nicht so einfach wie bei 500mm. 500mm hatte ich bei der ringförmigen Sonnenfinsternis am 14.10.2023 genutzt und es war kein Problem.

Somit kämpfe ich mit diesem Hindernis zu lange und das während des 2. Kontakts bereits laufende Video zeigt die wiederholten Neujustierungen des Bildausschnitts. Das verschlechtert den Bildfluss im Video. Aber wie sich später zeigt stimmt der Fokus bei beiden Kameras. So bekomme ich von am ankommenden Mondschatten zu wenig mit und blicke erst zum Himmel als die glänzend knackig brillante Himmelsszenerie vor uns steht.

So eine Brillanz und unbeschreibliche Schönheit, was für ein himmlisches Blau um die Sonne herum. Knackig strahlen Venus rechts und Jupiter links von der Sonne. Ein paar leichte Cirren zwischendrin und weiter weg am Horizont. Der tiefschwarze Mond steht inmitten der Sonnenkorona. Am unteren Rand der Sonne ist eine große Protuberanz, eine venushell strahlende Perle am Himmel, gut mit bloßem Auge zu sehen. Bei dieser totalen Sonnenfinsternis sehe ich zum ersten Mal eine Protuberanz mit dem bloßen Auge.

Totale Sonnenfinsternis 2024 über dem Friedhof von Black Springs 

Alexander hat neben mir eine Ansage-App laufen, die aufgrund der GPS-Daten die Finsterniszeiten ansagt, das bekomme ich teilweise mit und finde es ganz hilfreich, denn der dritte Kontakt nähert sich. Es wird heller von rechts, aus dem perfekten Blau wird immer mehr ein gelb, die Sonne bricht wieder heraus. Ich beobachte den 3. Kontakt auch durch die Kameradisplays. Es geht so wahnsinnig schnell, schwupp ist das Licht wieder da, und die Krümmung der wachsenden Sonnensichel überstrahlt immer mehr das Gesehene. Auf dem Display meiner EOSR5 ist die Korona noch eine Weile zu sehen. Statt eines 8K Videos habe ich die Einstellung von 4K gelassen, es war nicht genug Ruhe vor Totalität das noch zu ändern. Auch die Auslösung der EOS M50 hatte ich nicht mehr per Tablet gemacht, denn die WLAN-Verbindung war wieder abgebrochen und die Wiederherstellung nimmt ein paar Minuten in Anspruch, die ich jetzt nicht hatte, und das ohne sicher zu sein, ob die Verbindung dann auch zustande gekommen wäre. Es war mir im Vorfeld klar, dass die WLAN-Verbindung zu instabil ist, daher hatte ich den Touchscreen zum Auslösen aktiviert und diesen dann als Backup genutzt.

Totale Sonnenfinsternis 2024

Kurz nach dem 3. Kontakt

Protuberanzen nach dem 3. Kontakt

Farbeffekte nach dem 3. Kontakt (bisher unerklärt)

Entwicklung der Farbeffekte nach dem 3. Kontakt (bisher unerklärt)

Abziehender Mondschatten

Sonnenfinsternisbeobachtung

Das Licht ist wieder da, wir haben gemeinsam dieses himmlische Erlebnis in uns. Es gibt Umarmungen und Glückwünsche in unserer Fünfergruppe, wir sind alle glücklich. Für die 13-jährige Emma war das die erste totale Sonnenfinsternis.

 

Projektion der Sonnensichel mit einem löchrigen Keks (Emma hält den Keks, Alexander trägt den weißen Handschuh)

Zweite partielle Phase um 14:12 CDT

Zweite partielle Phase um 15:06 CDT, 3 Minuten vor dem 4. Kontakt

Vier unserer amerikanischen Bekannten haben mit uns auf dem Friedhof beobachtet. Nachdem wir nach der zweiten partiellen Phase den 4. Kontakt um 15:09 Uhr erreicht hatten bauten wir ab, ich das Walimex bereits vorher, denn ich nutzte am Ende der zweiten partiellen Phase die R5 bei 1000mm für Foto und Video.

 

Friedhof von Black Springs nach der Sonnenfinsternis

Am Haus gegenüber des Friedhofs gibt es noch eine Abschiedsrunde und Austausch von Kontaktdaten, dann geht es weiter nach Paris. Wolfgang und Emma fahren aber gleich schon nach Dallas weiter als Alexander, Cornelius und ich noch beim Burger King in Broken Bow Station machen. Ein leckerer Baken Burger mit Pommes stillen meinen zu erwartenden Hunger.

Aus dem Auto heraus sehen wir aufziehende Gewitterwolken, die wie vorhergesagt erscheinen und die im Dunst darunter untergehende Sonne.

Im Hotel angekommen, geht es auf die Zimmer und ich schreibe den Bericht des heutigen erfolgreichen Eclipse-Tages.

Weitere Bilder folgen.

Dienstag, 9. April 2024

Nach der letzten kurzen Nacht ist diese zeitversetzt. Kurz bevor der Handywecker um 9 Uhr klingelt bin ich wach. Beim Frühstück ist überraschenderweise bereits abgeräumt, heute wegen Werktag (der Eclipse-Tag war eine Ausnahme) nur bis 9 Uhr, aber eine freundliche Mitarbeiterin gibt mir noch etwas gegen 9:30 heraus. Dann heißt es Auschecken und die vollen Koffer ins Auto verstauen. Unser heutiges Fahrtziel ist wieder das Hotel in Irving am Flughafen von Dallas, das selbe das wir bereits am Anfang der Reise hatten.

Zunächst sehen wir uns im Zentrum von Paris um. Da gibt es zahlreiche gemalte Bilder mit Eclipse-Motiven in uriger Umgebung. In einem Souvenirladen gibt es zwar Eclipse T-Shirts, aber nur in Kindergrößen und keinen so schönen Motiv. Es gibt eine Postkarte und einen Briefumschlag mit Eclipse-Motiven. Der freundliche junge Verkäufer erzählt, dass es gestern eine Eclipse-Sonder-Poststempel-Aktion von der Post mit Eclipse-Briefmarken gab.

Eclipse-Hinweisschild in Paris / Texas

Eclipse-Gemälde in Paris / Texas

Downtown Paris / Texas

Unser nächstes Ziel ist die Post. Es gibt keine Eclipse-Briefmarken, aber noch den Sonderstempel. Eine Postmitarbeiterin an einem anderen Schalter weist uns darauf hin, und Alexander und Cornelius lassen sich ihre soeben gekauften Briefumschläge und Postkarten abstempeln. Ich entscheide mich dafür, noch einmal in das Geschäft zurückzukehren und doch noch einen Eclipse-Umschlag (für 5$) zu kaufen. Mit dem Auto wollen wir dann weiterfahren, und dann könnten wir auch noch an der Post vorbeifahren. Und das machen wir auch, anschließend ein Dreier-Selfie vor der Post, jeder mit seinem abgestempelten Eclipse-Umschlag.

(Bild folgt)

Stephan Heinsius, Alexander Birkner und Cornelius Peetz mit Eclipse Sonderstempel in Paris Texas, Foto: Alexander Birkner

Wir fahren noch einmal zum Eiffelturm, in der Hoffnung dort vielleicht noch einen Händler mit Eclipse T-Shirts zu finden. Aber den gibt es nicht. Dafür auf dem Weg dahin eine Anzeige im Display des Autos über den aktuellen Reifendruck. Während 3 Räder bei über 40 Einheiten liegen liegt das Rad rechts hinten nur bei 16. Ich fahre noch bis zum Parkplatz vor dem Eiffelturm. Im Auto entscheiden wir die Autovermietung anzurufen, was ich tue.

Uns wird abgeraten mit dem Auto weiter zu fahren, auch die 6 Minuten zur nächsten Autovermietung nicht. Ein Abschleppwagen wurde bestellt und ein Uber-Taxi. Ich sollte zwei Textnachrichten (SMS) bekommen, mit weiteren Infos.

Wir sehen uns noch einmal den Eiffelturm an, der sich heute in einer Pfütze spiegelt. Nach etwa einer halben Stunde kommt der Abschleppwagen. Der Fahrer pumpt erst einmal das platte Hinterrad auf, dessen Druck inzwischen auf 9 Einheiten gefallen war. Er würde das Auto übernehmen, doch das Taxi ist noch nicht da. Ich rufe noch einmal an, muss mich noch einmal durch das Sprachmenü wälzen und auch dem inzwischen anderen Callcenter Agent die komplette Geschichte erzählen. Mit dem gleichen Ergebnis, das ein Taxi bestellt sei. Dabei erfahre ich, dass an internationale Nummern keine Textnachricht geschickt werde, ich könne wieder anrufen falls nötig, e-mail werde nicht unterstützt. Wir geben das Auto zum Abschleppen frei (der Fahrer hat schon den nächsten Auftrag im Nacken), übergeben den Schlüssel und räumen unsere Sachen vor den überdachten Eingang des Love Civic Center Gebäudes neben dem Eiffelturm, denn inzwischen hat es angefangen etwas zu regnen und wir brauchen einen Unterstand solange wir auf das Taxi warten. Der einarmige Abschleppwagenfahrer hilft uns tragen, sehr hilfsbereit!

Eiffelturm in Paris Texas

Unser Mietwagen wird abgeschleppt

Wir warten und ich telefoniere ein drittes, viertes und fünftes Mal mit der Pannenhilfe der Autovermietung, und muss immer wieder jemand anderem die ganze Geschichte erzählen. Nach dem vierten Anruf bemerke ich, dass ich, obwohl ich noch einmal darum bat meine Handynummer abzugleichen, dass ich eine falsche Nummer durchgegeben hatte, eine störende Auswirkung des Stresslevels. Und das obwohl die Autovermietung längst meine Handynummer haben müsste, denn um überhaupt telefonisch soweit zu kommen, wurde ein Link per Message geschickt, über den der Standort des Handys übermittelt wurde.

Letztendlich ist nach 4 Stunden immer noch kein Taxi da. Immer wieder wird gesagt, eine Taxianfrage sei bei Uber oder auch einmal bei einem anderen Anbieter im System eingetragen worden, es wird wohl auch mal angerufen, als ich in die Warteschleife gesetzt werde. Es muss schon so gegen 17 Uhr sein, als ein Pickup-Fahrer an uns vorbeifährt und fragt, ob wir Hilfe bräuchten, das Gebäude sei geschlossen. Ich erzähle, dass wir auf ein Taxi warteten, aber dann auch gleich warum wir hier sind. Und das ist gut, denn es entwickelt sich ein Gespräch. Er sagt in Paris gebe es gar kein Uber, aber einen Yellow Cab Taxiunternehmen. Alexander bekommt die Nummer von ihm, erreicht aber niemanden. Ich warte weiter auf den Anruf von Uber, der auch später nie kommt. In dem Anruf sollte mir mitgeteilt werden, wann das Taxi käme. Auch das Taxi kommt nie. Warum sollte auch ein Anruf kommen, der ankündigen würde, dass nie ein Taxi kommen würde? Um uns wissen zu lassen, dass wir uns selbst um ein Taxi kümmern sollten (was auch in einem der Telefonate als Möglichkeit genannt wurde, die Kosten würden erstattet, wenn ein Beleg vorgelegt würde).

Ich habe schon ins Gespräch gebracht die 6-minütige Autofahrstrecke zu Fuß zu laufen (eine Stunde länger als mit dem Auto), um dann mit dem Mietwagen den/die Verbliebenen und das Gepäck abzuholen. Doch das ist nicht nötig, der Pickup Fahrer bietet uns nun an uns dorthin zu fahren.

Unser Gepäck auf dem Pickup

Er ist vertrauenswürdig, Alexander und ich sind uns darin einig. Wir laden auf, schnell ist die Ladefläche mit unserem Gepäck gefüllt. Wie gut, dass es keinen Starkregen gibt. Südlich von Paris zieht ein großflächiges Starkregengebiet durch. Während der Fahrt erzählt uns der Pickup Fahrer, dass er das Gelände am Eiffelturm betreue und sie dort gestern eine große Eclipse-Party mit etwa 3000 Menschen organisiert haben, die aus vielen Ländern dorthin kamen.

Er bleibt solange an der Mietwagenstation bis ich bestätigen kann, dass wir ein neues Auto bekommen würden. Das klappt auch. Die Mitarbeiter der Autovermietung wussten offensichtlich nichts von dem Vorgang. Nachdem sie mit der Autovermietung in Dallas telefoniert haben und das OK von ihrem Chef bekommen haben bekommen wir ein Auto. Eines in vergleichbarer Größe habe einen Schaden unter der Windschutzscheibe, darauf will ich mich nicht einlassen, aber auf ein kleineres Auto, sie haben noch 3 Midsize SuV, davon nehmen wir einen blauen Ford. Dies ist also das Fahrzeug, das wir beladen, dann fährt der Pickup Fahrer weiter, dessen Hilfsbereitschaft wir viel zu verdanken haben. Beiläufig wird am Schalter erwähnt, dass um 18 Uhr Feierabend sei. Alexander hatte bei Google eine viel spätere Zeit gesehen. Da die Autovermietung nur einige Häuser weiter von unserem Hotel liegt, wäre dann die Option gewesen dort wieder ein Zimmer zu nehmen, um die Nacht nicht im Freien verbringen zu müssen.

Aber nun sind wir wieder in der Spur. Wir haben ein neues Auto, dessen Tank wir nicht leer lassen, sondern zu allererst zu einer nahegelegenen Tankstelle fahren. Ich übernehme auch die Fahrt nach Irving, zum Best Western DFW Airport Suites, dem Hotel in dem wir bereits die ersten Nächte dieser Reise verbracht hatten. Auf der Fahrt gibt es Abendessen in einem Taco Bell Restaurant, eine Art Mac Donald’s in mexikanisch.

Am Hotel angekommen ist es gerade dunkel geworden, einchecken (Zimmer 322), Gepäck auf die Zimmer, dann noch einmal ein gemeinsames Abendessen auf meinem Zimmer, diesmal Nummer 322. Und noch den Bericht des Tages geschrieben. Dass der Tag nach der Sonnenfinsternis noch einmal so aufregend würde, war nicht zu erwarten, aber wir sind froh, dass sich der Tag auch heute wieder zum Guten gewendet hat. Dank der Hilfsbereitschaft fremder Menschen!

Mittwoch, 10. April 2024

2 Tage nach der Sonnenfinsternis erleben wir einen regnerischen Tag. Beim Frühstück gegen 7:30 Uhr ist in der Fernsehwettervorhersage von Tornadogefahr in Louisiana die Rede, und auch von Starkregen in Texas.

Wir ziehen aber trotzdem unseren Plan für heute durch: Erst zum Flughafen, zur Alamo Anmietstation. Die ist geschlossen, mit einem Verweis auf die benachbarte National Station. Wir wollen die Auswirkungen des gestrigen Vorfalls klären und bekommen zugesagt, dass die Versicherung mögliche Kosten deckt, die damit entstanden sein könnten. Außerdem, dass wir das (annähernd) leer abholte Fahrzeug nicht vollgetankt abgeben müssen. Für die entstandenen Unannehmlichkeiten werden uns 50$ zugesagt, können aber angeblich aus technischen Gründen nicht im System vermerkt werden. Ich gebe die Infos nach Abstimmung in der Gruppe an das Reisebüro per WhatsApp durch. Wir fahren dann zu einem Walmart, in dem Eclipse-T-Shirts gesichtet wurden. Die die wir finden gefallen mir nicht so gut, aber Alexander und Cornelius greifen zu. Ich würde mir dann lieber nachträglich ein eigenes gestalten.

Dann geht es weiter zur Southfork Ranch. Hier spielt die aus den 1980er Jahren berühmte Fernsehserie „Dallas“. Für 20$ machen wir eine Führung auf einer Tram (zwei überdachte Wagen hinter einem Traktor) mit. Starker Regen und Wind peitscht durch die offenen Wagen, ich schütze meine Hose mit den Armen und drehe mich vom Wind weg, und mache dennoch Foto- und Videoaufnahmen. Die Fahrt bringt uns vom Visitor Center und dem Dallas-Museum (beide in demselben Gebäude) in das Hauptgebäude der Ranch.

Ausstellung zur Fernsehserie "Dallas" im Southfork Museum


Southfork Ranch im Regen

Darin sind nur die einzelnen Räume hergerichtet, die Flure mit einfachen Oberflächen ausgestattet. Nur das, was durch die Kameras erfasst werden sollte wurde anscheinend entsprechend gestaltet. Zuvor hält die Gästeführerin einen interaktiven Vortrag in der ehemaligen Garage der Ranch. Hier hat jeder einen Sitzplatz. Sie erzählt von der Geschichte der Fernsehserie, den verschiedenen Eigentümern der Ranch und deren Insolvenzen. Aus solcn einem Grund wurde ihr zufolge Anfang der 1990er Jahre die Serie beendet, 2012 kam es zu einer kurzen Fortsetzung. An einer Pappfigur der Filmfigur J.R. Ewing lasse ich mich durch die Führerin mit meiner Kamera fotografieren. Die ist ein Service den sie ihren Gästen anbietet.


„SH meeting JR“


Esszimmer in der Southfork Ranch

Für Alexander ist der Ort schon fast ein Lost Place, erzählt er mir. Er ist begeistert von den alten Materialien, die hier recht gut erhalten sind. Also dann doch nicht ganz so lost, aber „retro“, „back to the 80ies“.

Nach der Rückfahrt zum Museum und Visitor Center treffen wir Cornelius wieder, der im Visitor Center gewartet hatte. Mit dem Fahrer der Tram und Gästeführer im Musuem kommen wir über die Sonnenfinsternis ins Gespräch. Er ruft sich gleich meine Seite eclipseland.com auf, denn die gestrige Sonnenfinsternis, die er auf der Southfork Ranch gesehen hat hat ihn so beeindruckt, dass er an eine Reise zur nächsten totalen Sonnenfinsternis am 12.08.2026 denkt. Die Totalität verläuft dann unter anderem über Spanien und Island.

Es regnet so stark, dass das Wasser auf den Außenflächen steht. Aber Alexander arbeitet sich zum Auto vor, fährt es näher an das Gebäude heran, und Cornelius und ich steigen ein. Noch ein Foto am Gate 3 der Ranch (wurde von der Führerin empfohlen), bietet den bekannten Blick aus der Fernsehserie. Eine 6-spurige Schnellstraße führt direkt an den Gates 1 und 3 der Ranch vorbei, die habe ich in der Fernsehserie nie gesehen.


Southfork Ranch

Dann geht es auf die Suche nach Mittagessen. Es ist schon 15:15 Uhr, es wird Zeit. Wir finden einen Italiener. Die anderen beiden wagen sich an eine Large Pizza, die ist mit über 40cm Durchmesser ziemlich groß, ich nehme Spagetti mit Fleischsoße, auch nicht gerade eine kleine Portion, aber mengenmäßig für mich noch machbar.

Im Berufsverkehr geht es zurück zum Hotel, das Navi lotst uns um einige Staus herum. Es hat inzwischen aufgehört zu regnen. Ich bleibe dann auf dem Zimmer, bin angestrengt und anscheinend ein wenig erkältet, checke für meinen Flug morgen nach Orlando ein, und schreibe noch diese Zeilen. Alexander und Cornelius machen noch einen Ausflug zu einem Sportstadion.

Ich erhole mich: Warm eingepackt schlafe ich bis ca. 22:20 Uhr. Die anderen sind inzwischen wieder zurück, sind aber von ihren großen Pizzas noch satt. Noch ein paar Bilder verarbeitet und Abendgegessen, dann geht das Schlafen weiter.

Donnerstag, 11. April 2024

Am Morgen bin ich wieder fit, der Schlaf war heilend. Gemeinsam sind wir beim Frühstück, in der großen Gruppe. Wolfgang und Emma waren gestern in Houston und die letzte Nacht im gleichen Hotel wie wir. Es gab ein Frühstück in der großen Runde, mit einigem Austausch an Reiseerfahrungen. Dann die Koffer flugfertig gepackt und ins Auto geladen. In der Lobby interviewe ich die ganze Gruppe, erhalte von allen Worte der Begeisterung für die Sonnenfinsternis und die weiteren Reiserouten. Für Alexander, Wolfgang und Emma geht es nach Frankfurt um nach Hause zu kommen. Cornelius reist weiter nach San Franzisko, Freunde besuchen und ich nach Orlando, um mir den Kennedy Space Center anzusehen und noch ein paar Tage in Florida zu verbringen.


Unser Hotel in Irving: Best Western plus DFW Airport Suites


Vollgepackter Mietwagen, bereit zur Abfahrt

Doch keine meiner Reisen war bisher so stark von Planänderungen geprägt wie diese. Im Hotel erfuhr ich bereits, dass mein Flug um über 2 Stunden verspätet sei. Nach Abgabe des Mietwagens und Verabschiedung von Alexander und Cornelius kamen dann noch 2 Gatewechsel. Am Terminal A traf dann noch einmal kurz Alexander zu mir, der schon einen Shuttlebus früher genommen hatte, der mir nach Erfahren des neuen Gates gerade vor der Nase weggefahren war. Alexander ging dann durch die Security zum Flug gemeinsam mit Wolfgang und Emma nach Frankfurt.

Als ich dann meinen Koffer einchecken wollte, wurde ich an eine Maschine geschickt, wo ich mir selbst das Koffer-Label ausdrucken lassen sollte. Stattdessen wurde eine Fehlermeldung auf einem Papier ausgedruckt und ich an die Warteschlange an einen Schalter verwiesen. Dort wurde mir dann schließlich gesagt, der Flug nach Orlando sei gecancelt. Eine Hotelunterkunft würde nicht zur Verfügung gestellt, weil der Grund schlechtes Wetter sei. Auf meine Aussage, dass ich nicht im Flughafen übernachten wollen würde wurde gesagt, dass dies möglich sei, klang irgendwie nach „ist ja gar nicht so schlimm, kommt schon mal vor“.

Für mich war klar, dass ich ein Hotelzimmer wollte, möglichst gleich am Flughafen, mit Zugverbindung nach Dallas. Vielleicht war am Abend noch ein Ausflug in die Innenstadt möglich, bei dem schönen Wetter. Ein nahe gelegenes Hotel, das zu Fuß erreichbar wäre, konnte ich nicht finden, bis ich feststellte, dass es hinter der Security ist. Hotelübernachtung ohne Koffer macht für mich aber auch keinen Sinn.

Ich überlege und suche per Internet. Schließlich buche ich einen Mietwaren für einen Tag über ein Portal, das bei Google als „gesponsert“ ganz oben angezeigt wird, nachdem ich bei Alamo keinen Wagen für diese Tag fand. Dort wurden alle Autovermietungen durchgegangen und schließlich ein Kleinwagen angezeigt. Für 54$ ein guter Preis. Jedoch wurde bei der Auswahl der Mietwagen nicht die Vermieter angegeben, sondern nur DFW Airport als Abholstation. Für ca. 100$ bekam buchte ich dann diesen Wagen. Natürlich kommen dann im weiteren Buchungsprozess Versicherung und Pannenhilfe (auf die ich jetzt nicht verzichten wollte) und Steuern hinzu.

Es ist bereits 15:45 Uhr. Ich nehme also ein Shuttle zu den Mietwagen, finde dort den Vermieter „Easirent“ nicht, der nun schließlich recht unscheinbar auf dem Voucher steht. Auf Nachfrage am Enterprise Schalter, der einzige der leer ist, erfahre ich, dass in der Straßenkurve vor dem Gebäude ein Shuttle kommt, das einen zu Easirent bringt. Da sehe ich kein Hinweisschild, aber ein Telefon für Taxi und andere Transfers. Ich rufe die angegebene Nummer an. Das war aber anscheinend nur für Taxis. Als ich die Frage, ob ich bar zahle nicht beantworte, sondern meine Situation zu erklären versuche wird unvermittelt aufgelegt. Dafür kam ein Taxifahrer mir entgegen und beantwortet meine Frage nach dem Shuttle für Easirent, nämlich dass dieses hier immer wieder vorbeikomme.

Also warte ich am Straßenrand. Nach vielleicht 20 Minuten kommt das Shuttle, hält etwa 10 bis 20 Meter von mir entfernt. Andere Leute steigen bereits ein. Mein Koffer wird eingeladen, doch dann gibt es keinen Sitzplatz mehr. Ich lasse mir meinen Koffer geben und die Versicherung des Fahrers, dass er wieder kommt. Aus den angekündigten 10 Minuten werden etwa 30, aber diesmal bin ich dabei. Ich achte darauf möglichst schnell einen Sitzplatz zu bekommen, nachdem ich dem Fahrer meinen Koffer zum Einladen gegeben habe. Ich bekomme ihn, jeder Platz ist belegt. Die Fahrt dauert etwa 15 Minuten, zur Autovermietung, in einem Industriegebiet gelegen.

Der Raum ist voll, alle Plätze belegt mit Wartenden. Einige die wieder gehen, fragen nach Stornierung. Sie kriegen immer wieder die Antwort sie sollten sich an die 3rd Party wenden, über die sie gebucht haben. Nicht gleich habe ich gemerkt, dass man sich in eine Liste eintragen soll um dran zu kommen. Etwa 20 Minuten nach Ankunft später trage ich mich in die Liste ein, mit Uhrzeit 5:55, und dann ist auch ein Sitzplatz frei. Ein Mitarbeiter der lässig am Schalter steht fungiert als Dispatcher, ruft die Leute von der Liste auf. Ich frage ihn, ob für das Abholen auch so viel Zeit einzuplanen sei (habe schon 1 ½ Stunden gewartet). Bis er verstand was ich wollte sagte er, das dauere etwa 10 Minuten (also muss ich mindestens 30 dafür einplanen, besser noch viel mehr). Gegen 19:30 Uhr habe ich schließlich ein Auto. Jedoch wird vorher am Schalter verlangt, noch eine Haftpflichtversicherung für ca. 30$ abzuschließen, weitere 250$ werden als Sicherheit von der Kreditkarte abgezogen. Ohne Autorisierung der Zahlung per PIN geht es nicht weiter. Ziemlich intransparenter Prozess: Locken über Internet und dann doch mit mehr als 100% höherem Preis vermieten. Ob ich die 250$ je wieder bekomme? Ich übernehme das Auto halbvoll, habe den Tankstand fotografiert. Ob mir hier nochmal Geld abgezogen werden wird? Vielleicht kann ich jemanden bei der Abgabe fragen.

Nun aber bin ich ein Stück erleichtert die gewünschte Freiheit zu haben mobil zu sein, und Hotel und Restaurant erreichen zu können. Über das WLAN bei der Autovermietung hatte ich ein Mac Donald’s in der Nähe gefunden. Die haben WLAN, von da aus kann ich ein Hotel buchen und die Route auf Google Maps ziehen.

So mache ich das auch und finde für ca. 100$ über Booking.com ein Zimmer im La Quinta am West Airport Freeway, nicht weit weg von hier. Als ich das Restaurant verlasse strahlt die ganz nach oben geöffnete Mondsichel am Dämmerungshimmel, knackig schöne Dämmerungsfarben erinnern mich an den Eclipse-Himmel. Der war so schön, dieser Eindruck trägt mich durch die aktuellen Herausforderungen dieser Reise.

Im La Quinta checke ich ein, bekomme Zimmer 432.

Freitag, 12. April 2024

Diese Nacht wird nicht mehr so kurz wie die letzten, doch gegen 2:50 Uhr werde ich jäh durch das Klingeln meines Handys geweckt. Der Autovermittler aus München ruft an, und sagt mir, was mir gestern bereits von ihnen erzählt wurde, dass die Mietwagenstation in Orlando nicht zusichern kann, dass sie für mich ein Auto haben werden. Wenn der Flug heute planmäßig geht, gilt es noch zwei Hürden zu nehmen: Mietwagen und Hotel in Florida noch zu bekommen.

Um 7 Uhr werde ich wach, 45 Minuten vor eingestellter Weckzeit. Das war ein Geschenk des Himmels, denn das war genau zum Sonnenaufgang. Ich blicke aus dem Fenster und die Sonne war gerade über den Horizont gekommen, an dem auch die Skyline von Dallas steht. Trotz verdreckter Fensterscheibe lässt sich das schön fotografisch festhalten.


Sonnenaufgang in Dallas


Skyline von Dallas

Ins Bad und dann zum Frühstück, und anschließend noch diese Zeilen geschrieben. Dann heißt es Aufbrechen zum Flughafen. Ich mache mir keine Gedanken oder Sorgen wegen der Ungewissheit meiner Buchungen von Mietwagen und Hotel in Florida, denn ändern kann ich jetzt nichts, sondern werde vorort sehen wie es ist, denn dieses Mal sollte es mit dem Flug doch klappen. Ist nur etwas nervig, diese Langwierigkeit und das Managen der Änderungen.

Ich habe jetzt recht viel Zeit und möchte kein weiteres Risiko eingehen was den Mietwagen betrifft, der hat ja seinen Zweck erfüllt, und ich gebe ihn am späten Vormittag ab. Doch das geht im Gegensatz zu gestern sehr schnell, eine aufmerksame Mitarbeiterin macht die Übergabe mit mir, und ruck zuck warte ich auf das Shuttle. Wieder in dem Raum wie gestern, mit meinem Gepäck. Nicht so viele wie gestern, aber doch so einige Leute warten auf ihre Autos. Kunden lange warten zu lassen scheint hier Teil des Tagesgeschäfts zu sein.

Im Shuttle fährt neben mir nur noch ein anderer Kunde zum Autovermietungsgebäude des Flughafens mit. Der ist total verärgert wegen der Wartezeit und kehrt zurück. Dann geht es mit dem nächsten Shuttlebus zum Terminal A. Das kenne ich jetzt alles schon, so wie gestern, nur rückwärts. In der Wartehalle des Flughafens esse ich meinen Proviant als Mittagessen und die letzten Wasserflaschen werden ausgetrunken (die Überbestände von gestern haben bis heute gerade gereicht).

Durch die Security und dann noch etwa 3 Stunden Warten auf den Flug. Ich nutze die Zeit, um am PC weitere Bilder vom 08.04.2024 für diesen Bericht fertig zu machen und online zu stellen.

Was den Flug nach Orlando betrifft kommen heute nur Minuten Verspätung hinzu, gegen 18 Uhr geht er nun, reine Flugzeit ca. 2 Stunden. Von Ben Cooper (ihn hatte ich bei der Sonnenfinsternis 2013 kennen gelernt, er fotografiert Raketenstarts auf dem Kennedy Space Center) erfuhr ich über Facebook Messenger, dass heute Abend zu um 21:22 Uhr ein Raketenstart geplant sei. Mein Flug soll um 21:23 Uhr landen. Das wäre doch genial, beim Endanflug die abhebende Rakete zu sehen und zu filmen, es sind ca. 50km zwischen Orlando und Kennedy Space Center. Auf Wetteronline sehe ich, dass die Windsituation ziemlich umentschieden ist, mit leichter Tendenz, dass ich mit meinem Platz 35F hinten rechts richtig sitze, denn wenn von Süden gelandet würde, würde alles passen.

Blick auf die Dallaser Skyline vor dem Abflug aus Dallas


Region südwestlich von Orlando beim Anflug auf Orlando

Nach dem Flug in die Nacht über Florida hinein kommt schließlich der Endanflug. Man kann gut sehen, das Lichtermeer der Städte von Florida. Doch leider ist die Landung dann bereits um 21:18. Vier Minuten später steht das Flugzeug schon am Terminalgebäude und ich habe Blick Richtung Südwest, statt Ost. Ich kann nichts von der startenden Rakete sehen. Beim Herausgehen frage ich eine Stewardess, die ich beim Einsteigen bereits auf den Raketenstart hingewiesen hatte, ob sie etwas davon gesehen habe. Sie nicht, und auch der Pilot nicht, der ganz in der Nähe stand, obwohl er sagte es sei sehr klar gewesen. Aber es war einfach ein paar Minuten zu spät. Das Terminalgebäude wird die Sicht versperrt haben.

Mit einem Zug geht es zu einem anderen Gebäude zur Gepäckausgabe. Mein Koffer steht bereits da, auf einem nicht laufenden Band. Ich gehe mit ihm weiter zur Autovermietung, komme recht schnell am Alamo Schater dran. Hier ist die Dame, die mich bedient sehr kompetent und nett. Allerdings wurde die Abgabe des Mietwagens in Dallas im System nicht verzeichnet. Eine Gutschrift für die wegen des Flugausfalls geringere Mietzeit würde an den Vermittler gegeben sobald der Vorgang abgeschlossen sei.

Ich kann mir eines von 3 Autos aussuchen. Das rote ist das größte, dies wird mir empfohlen und ich nehme es. Ich fahre zum Courtyard Hotel nach Titusville, über fast leere Autobahnen durch die Nacht in Florida. Die Streifenmarkierungen sind im Dunkeln besonders gut sichtbar, die Straße geht kilometerweit genau gerade aus. Wie eine Landbahn für Raumschiffe, alles hochmodern und sauber. Im Auto ist ein Navi an, das mich in Englisch immer wieder zurückschicken will. Doch ich habe mein Handy mit Google Maps so laut (in Deutsch), dass ich es gut unterschieden kann, und das eine ignoriere und dem andern folge.

Angekommen im Hotel ist auch noch meine Zimmerreservierung da. Offensichtlich wurde die E-mail des Reisebüros gelesen und beachtet, die Dame die mich bedient erinnert sich, dass dies keine Absage, sondern eine verspätete Anreise war. Auf Nachfrage bekomme ich zu wissen, dass ein Festpreis mit der Agentur verrechnet wurde und sich daran nichts ändert, also keine Erstattung für den fehlenden Tag, aber auch keine Neubuchung oder neue Kosten. Ich beziehe Zimmer 506, mit Blick Richtung Westen, gehe mehrmals zum Auto, das ich noch vor dem Hoteleingang habe, um zu entladen und später auf dem großen Parkplatz vor dem Hotel parke.

Der Mond geht unter, ein schönes Motiv, das ich mit Stativ vom Hotelzimmer aus aufnehme, vorher auch noch auf dem Parkplatz. Dann geht es endlich ins Bett, ich bin froh wieder in der Spur meines Reiseplans zu sein. Gedanken, die Reise ggf. um 2 Tage zu verlängern, um die geplanten Raketenstarts am 17. und 18. April mitzubekommen generieren eine gewisse emotionale Abstoßung, von Planänderungen brauche ich nicht unbedingt freiwillig noch welche generieren. Als ich am nächsten Morgen mal bei den Flügen nachsehe steht fest, dass ich es nicht mache, denn dort wären hohe Stornierungskosten bis zur Höhe des Flugpreises möglich. Dann kann ich auch ein anderes Mal hierherkommen, vielleicht bei einem besonderen Start, der Artemis Mondrakete. Doch da wird es sicher auch besonders voll hier sein. Also das beleibt mal ein offenes Thema, nicht relevant für jetzt. Das Erschöpfungshalsweh kommt wieder, ich brauche meinen Schlaf und bekomme ihn.


Monduntergang über dem Parkplatz des Courtyard Hotels in Titusville


Monduntergang aus dem Courtyard Hotel in Titusville

Anzeige des verpassten Raketenstarts und Roboter im Courtyard Hotel Titusville

Samstag, 13. April 2024

Zum Sonnenaufgang werde ich einmal kurz wach, komme dann aber noch einmal mehr als eine Stunde zum Schlafen, das nochmal ein gutes Stück Erholung bringt. Vor dem Frühstück plane ich meinen Besuch beim Kennedy Space Center. Online gibt es keine Tickets mehr für die ausführlichere Tour, schade, erst wieder am 16. April, meinem Abreisetag. Ich buche mir aber das Standardprogramm für 2 Tage. Mit Ben Cooper bin ich über Facebook weiter in Kontakt, er hat mir gestern schon den Hinweis auf den Raketenstart gegeben, er gibt mir heute weitere Tipps. Da für heute noch Lebensmitteleinkauf und ein wenig Erholung ansteht, buche ich die Tickets für den 14 und 15. April.

In diesem sehr gut ausgestatteten Hotel gibt es kein Frühstücksbüffet. Das Frühstück muss bestellt werden und kostet extra. Dafür ist die Umgebung sehr schön, mit Blick auf das Meer und die Silhouetten der Einrichtungen des Kennedy Space Center. Knallblauer klarer Himmel, und dabei Wind.

Nach dem Frühstück gehe ich zwischen Hotel und dem Meer etwas spazieren, da gibt es auch einige rote Liegestühle, wo ich auch mal eine Weile sitze. Ein Selfie und zwei Handyfotos gebe ich in WhatsApp, das WLAN des Hotels reicht erstaunlich problemlos so weit, ca. 30 Meter außerhalb des Gebäudes.

(Bild folgt)

Selfie mit Palmen


Courtyard Hotel in Titusville, Florida

Dann gehe ich auf das Zimmer, packe Sachen für das Einkaufen und mache dann einen Ausflug zu dem Naturschutzgebiet nördlich des Kennedy Space Centers. Einen Supermarkt gibt es 6 Autominuten südlich. Ich komme mit Google Maps offline dahin. Die Wasser- und Kaltessensversorgung sollte nun bis zum Ende der Reise sichergestellt sein. Ich fahre wieder nach Norden, nach Merrit Island. Von Titusville geht eine eindrucksvolle Brücke über das Meer zum Gebiet nördlich des Kennedy Space Centers. Am Black Point Wildlife Drive, den ich bereits vorher über Google Maps mir herausgesucht hatte (bereits zu Hause im Rahmend er Reisevorbereitungen gefunden) halte ich. Das Bezahlen geht auf Vertrauensbasis. Ein Umschlag wird ausgefüllt und mit dem Geld in einen Briefkasten geworfen, ein Begleitzettel ebenfalls ausgefüllt an der Windschutzscheibe im Auto platziert. Da ich keinen 10$ Schein dabei hatte, habe ich 20$ gegeben. Für das Naturschutzgebiet ist es ja sicher gut eingesetzt. Vorher nehme ich noch ein wenig Proviant zu mir, Mittagessen.

Ich fahre die recht gut fahrbare Schotterstraße (deutlich besser als zum Northfork Lake in Arkansas) langsam ab, immer mal anhalten, im aus dem Jahr 2001 bekannten „Safarimodus“. Es gibt viele Vögel zu sehen. Ich habe mein 100-500 mm Objektiv mit dem Tele-Extender versehen und fotografiere mit 600-1000mm. Sogar Videoaufnahmen sind ohne Stativ möglich, der Rand der offenen Autotür dient der Unterstützung. An zwei Punkten ist Aussteigen vorgesehen, da gibt es Aussichtspunkte zur Wildtierbeobachtung. An der ersten sitzt ein schöner blauer Vogel nur wenige Meter von mir unterhalb auf einem Busch. An der zweiten sehe ich Adler in der Ferne, einer hat sogar eine Beute in den Fängen, doch die sind sehr weit weg, vielleicht einige hundert Meter. Die Adler-Fotos sind nicht in erwarteter Qualität.


Blume am Beginn des Black Point Natural Drive

Vögel auf Merrit Island am Black Point Natural Drive

Schmetterling auf Merrit Island am Black Point Natural Drive

Fische auf Merrit Island am Black Point Natural Drive

Black Point Natural Drive

Nach dem Verlassen der Tierbeobachtungsstraße geht eine wieder asphaltierte Straße an einem Wasserkanal entlang. Da bekomme ich zwei Alligatoren zu sehen. Sie liegen bewegungslos im Wasser, nur Augen und Naslöcher gucken heraus, doch in beiden Fällen ist der ganze Alligator durch die Wasseroberfläche hindurch zu sehen.


Alligatoren auf Merrit Island

Mit Kauf des Tickets werden mir 10$ für das selbst erstellte Ticket von „Black Point Wildlife Drive“ angerechnet. Ich fahre weiter Richtung Strand, dann kommt rechts ein Raketenstartplatz. Der ist von einem Aussichtsstreifen gut zu sehen. Ich halte am ersten Parkplatz für den Strand und gehe ans Meer. Sehr ähnlich wie Sylt: Hinter den Dünen ein weiter weißer Sandstrand, doch dieser Strand hat die Besonderheit, dass hinter ihm die Raumschiffe und Raketen abheben. Ich laufe nach Süden, vielleicht einen Kilometer, bis die Absperrung zum Kennedy Space Center kommt und zurück. Ich fotografiere zwei Vögel, die es mit der Brandung aufnehmen, und mache auch einige GoPro-Aufnahmen. Die Sonne steht schon tiefer, ich laufe zurück, das kommt zeitlich gut hin. Ich fahre während des Sonnenuntergangs über die Brücke nach Titusville zurück.

Vögel in der Brandung


Pelikane am Horizont

Vogel mit Schatten

Raketenstartplatz am Strand

Raketenstartplatz 39B vom Parkplatz 1 des Playalinda Beach aus gesehen

In einem Steakhouse mit Blick auf den Kennedy Space Center gehe ich essen. Das heißt „Shilo’s Steak and Seafood“. Ungewohnt, alleine in einem Restaurant mit Bedienung zu essen. Aber es gibt WLAN und ich kann mir in der Wartezeit auf das Essen ein paar WhatsApps ansehen. In der Eclipse 2019/2024 Gruppe gibt es eindrucksvolle Kompositaufnahmen. Alexander, Wolfgang und Dirk Ewers haben hier einige Arbeit geleistet. Das Steak mit Gemüse und Pommes hat gut geschmeckt.

Dann geht es zurück aufs Zimmer, den Bericht für heute und den Rest von gestern (zumindest ins grobe) schreiben. Das dauert dann doch wieder bis Mitternacht, aber ich finde es ist es wert, den Text festzuhalten.

Sonntag, 14. April 2024

Wieder ein sonniger Tag in Florida. Nach dem Frühstück gehe ich mal eben auf der Dachterrasse sehen, wie die dort angesiedelte „Space Bar“ aussieht. Wow: Toller Blick nach Osten zum Kennedy Space Center, über eine Stromleitung hinweg und ein großes Bild von zwei Astronauten auf dem Mond mit riesiger Erde darüber. Das gibt das erste Selfie des Tages.

(Bild folgt)

Selfie vor dem Mondbild auf der Dachterrasse des Hotels

Dann fahre ich zum Kennedy Space Center, das Ticket hatte ich ja schon gebucht. Am Eingang wird noch einmal abkassiert. Diesmal Parkgebühr: 10$. Ich halte erstmal an, um meine Kreditkarte rauszusuchen und fahre dann zum Gate. Das Reisen im digitalen Zeitalter wäre noch einfacher, wenn man alles, was man für den Besuch eines Standorts zahlen muss zusammen buchen würde, oder zumindest vorher davon wüsste.

Ich werde auf Parkplatz 5 gewiesen, parke, steige dann aus und bin sehr angetan, fast überwältigt, wie sehr die Präsentation dieses Standorts sich entwickelt hat. Ich fühle mich nun in der Zukunft ankommen. Auf einem gigantischen Bildschirm, der auch im Sonnenlicht gut zu erkennen ist werden vergangene und aktuelle Raumfahrtprojekte vorgestellt und John F Kennedy erscheint mit seiner berühmten Rede, in der er das Vorhaben der Mondlandung angekündigt hatte. Nach ihm ist ja der Space Center benannt, das passt alles sehr gut zusammen. Fetzige Science Fiction Musik ertönt überall, das gibt die passende Stimmung. Ich gehe durch die Security, zwei Mal, wegen meiner Kameraausrüstung. Im Rocket Garden stehen die Raketen vor knallblauem Himmel. Ich sehe mich um, mache ein Selfie und ein netter Mann bietet mir an mich zu fotografieren, was ich gerne annehme. Das Bild verteile ich dann gleich per WhatsApp. Hier ist überall gut empfangbares schnelles WLAN.


Eingang des Kennedy Space Center Visitor Complex mit großem Bildschirm

Zunächst sehe ich mir das „Gateway“ Gebäude an. Davor ein System aus drei beweglichen Wegweisern, die Objekte im Weltraum anzeigen, z.B. in welcher Richtung gerade Voyager 1 steht. Im Gebäude selbst wird man eindrucksvoll eingeführt, mit Animationen auf großen Displays und Projektionen. Im großen Innenraum gibt es die aktuellen Raumkapseln. Die „Orion“ der NASA, „Dragon“ von SpaceX, sowie eine von Boeing und von Blue Origin. Durchsichtige Touch Screens beeindrucken mich, kannte ich bisher nur aus Science Fiction Filmen. Das ist gut: Im Bereich eines Bildes ist dieses voll da, und daneben ist der Bildschirm fast vollständig durchsichtig. Das gibt zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten: Toll! Klicks werden mit einem spacigen „blimp“ quittiert.

Wegweiser zu Objekten im Weltraum

Transparente Touchscreens

Bei Blue Origin kann man hineingehen und einen 4-minütigen Weltraumflug mit VR-Brille machen. Das ist per QR-Code direkt buchbar. Es steht kein Preis dran, aber ich sehe mir das mal an, gehe durch den Buchungsprozess und finde noch einen Platz um 15:45 Uhr. Den bekomme ich, kostet nichts. Habe jetzt ein Ticket für einen VR-Spaceflight!


Ausstellungshalle mit Raumschiffen im „Gateway“ Gebäude

Ich freue mich. So bekomme ich auch das erste Mal eine VR-Brille auf, bin gespannt wie das wird. Doch jetzt gehe ich weiter und finde im oberen Stockwerk „Spaceport KSC“, hier gehen virtuelle Flüge ab. Ich stelle mich bei „Red Planet“ an und „boarde für einen Flug zum Mars“. Die Warteschlagen und Organisation der „Abfertigung“ ist einen Flughafen nachempfunden mit Ansagen zu „Flugverspätungen“, etc. Aus rundlichen Fenstern ist eine animierte Flughafenlandschaft zu sehen, so wie ich mir das schon in den 1970er Jahren vorgestellt hatte. Schön, das jetzt animiert zu sehen und sich ein wenig dieser Täuschung hingeben zu können: Dies ist nicht nur ein Science-, sondern auch Science-Fiction-Vergnügungspark.

Der „Passagierraum“ besteht aus einer Reihe von vielleicht 20 Sitzen. Hier wird sich angeschnallt wie im Flugzeug. Die Sachen, die ich dabei habe lassen sich in eine Ablage hinter den Sitzen legen. Ich darf meine Kameras umbehalten, lege aber die R5 doch lieber hinten ab. Die GoPro habe ich im Gürtel stecken.

Dann öffnet sich der Vorhang und über eine halbkugelförmige 180° Projektionsfläche, passender Musik, Sitzvibrationen und -schwenkungen, und Wind wird eine Illusion erzeugt. Zunächst fährt die Sitzreihe ganz nach vorne, man hat das Gefühl an einem Abgrund zu schweben. Es geht am Mond vorbei zum Mars, dann fetzig durch Marslandschaften hindurch. Das macht schon Spaß, ich halte mich gut fest und nach ein paar Minuten sind alle „wieder auf der Erde“. Am besten gefällt mir die Landung in Florida. So habe ich mir bereits Ende der 70er Jahre die Landung aus dem Weltraum vorgestellt, nur nicht ganz so schnell. Es macht richtig Spaß, das jetzt genau so zu sehen, wie ich es seit 50 Jahren im Kopf habe.

Einen weiteren „Flug“ für „uncharted worlds“ nehme ich mir noch vor. Doch vorher habe ich ja noch einen Termin um 15:45 Uhr für den VR-Suborbitalflug in etwas über 100 km Höhe. Ich sehe mir noch weitere Dinge zum Mars in einem anderen Gebäude an, unter anderem gibt es dort Marsrover.

Zwischen durch immer mal etwas essen, ich habe die rote Kühltasche von zu Hause dabei. Gegen 15:30 Uhr gehe ich in Richtung „Blue Origin – New Shepard“. Ein paar Minuten früher als geplant geht dann der VR-Flug los. Nur 2 andere Leute sind mit mir in der Kapsel, etwa die Hälfte der Plätze bleibt unbelegt. Der Flug selbst dauert nur ca. 4 Minuten, in etwa die Länge der Totalität vom 08.04.2024. Ich werde in die Kapsel begleitet und lege mich in einen der flachen Sitze, meine Sachen kann ich nebendran legen. Mir wird die VR-Brille aufgesetzt, meine Brille könne ich anlassen. Doch die VR-Brille rutscht und ich sehe nicht scharf. Ich muss sie anders setzen, dann gibt es ein scharfes Bild. Ich bekomme Hilfe von außen, dann sitzt sie besser, nicht perfekt scharf, aber es geht. Im virtuellen Raum werden die Konturen meiner Hände als leuchtende blaue Linien dargestellt. Auf den freien Sitzen werden plötzlich Passagiere durch blaue Linien angezeigt, die ich vorher nicht gesehen hatte.

Es geht los. Aus dem großen Fenster ist zu sehen wie sich der Wüstenboden immer weiter entfernt, der Himmel oben immer dunkler wird, leider nicht ganz scharf (vielleicht durch meine nicht gut sitzende Brille, vielleicht durch mangelhafte VR-Auflösung). Dass bei Erreichen der Weltraumgrenze immer noch Cirren zu sehen sind, irritiert mich zwar etwas, aber die im Raum fliegenden Saturn V Raketen in der Größe von vielleicht 30cm lenken mich ab. Die kann man greifen und abstoßen. Virtuelle Schwerelosigkeit. Die ist gut gemacht. Und dann ist der Flug auch schon vorbei und es heißt aussteigen.

Raumkapsel „New Shepard“ von Blue Origin für VR-Spaceflights


Sonne am Nachmittag über dem Rocket Garden

Nun noch einmal in das „Gateway“ Gebäude zum „Spaceport KSC“. Nun nehme ich den Flug zu „uncharted worlds“, per Warp zu Exoplaneten. Diesmal aber werden Gurt und Kameras strenger gesehen. Auch die GoPro soll ich hinter mir ablegen, und es gibt einen Gurt von unten, den ich beim ersten Mal gar nicht angelegt hatte. Der Flug war ähnlich aufgebaut wie der Marsflug, teils durch enge Felsen hindurch. Und nach ein paar Minuten wieder vorbei.

Ich sehe mir nun das Space Shuttle Atlantis an, das es hier im Original zu sehen gibt. Dieses wird eindrucksvoll präsentiert. Es geht durch zwei Filmprojektionen: Eine kurze Doku über die Space Shuttles, dann eine über den Start des ersten Space Shuttles im Jahr 1981. Dann öffnet sich die Leinwand nach oben und man steht vor der Original-Atlantis. Das Raumschiff steht in der Mitte der Halle, vom unteren Stockwerk aufgestellt und teilweise nur vielleicht einem Meter entfernt von den Betrachtenden. Wirklich beeindruckend ein Original so hautnah erleben zu dürfen.


Space Shuttle Atlantis

Das erinnert mich an meinen Besuch in der ABBA Arena am 3. September 2023 in London, ein virtuelles Konzert der schwedischen Popgruppe aus den 1970er und frühen 1980er Jahren. Die heutige Simulations- und Projektionstechnik ist schon beachtlich. Auch wie in London habe ich hier ein Hotel, das durch einige Einrichtungsgegenstände und Beschriftungen an die besuchte Attraktion anknüpft. Hier sind es Raketen und Astronautenmodelle, in London waren es Bilder der „Abbatare“ und Liedtexte.

Um 18 Uhr kommt die Durchsage, dass geschlossen wird. Langsam geht es nach draußen. Hier gibt es noch einen Simulator für einen Space Shuttle Start. Vielleicht gehe ich morgen die Präsentationen noch einmal durch, um dahin zu kommen, aber Priorität gebe ich der ausstehenden Busfahrt über das Gelände.

Draußen In Rocket Garden steht die Sonne im Westen hinter den Raketen und direkt hinter einer markanten Cirruswolke. Das gibt es schönes Bild, insbesondere, als die Sonne wieder ungetrübt strahlend unter der Cirrusfläche strahlt.


Sonne und Cirruswolke hinter den Raketen im Rocket Garden

Ich gehe zum Auto und fahre zum Hotel, Proviant als Abendessen kurz vor Sonnenuntergang hinter Cirren, zuvor scheint die Sonne noch schon in das spacige Zimmer.


Hotelzimmer im Space Design in der Abendsonne

Untergegangene Sonne unter Cirren

Dann gehe ich noch einmal hoch auf die Dachterrasse, die Space Bar hat jetzt auf, mache ein paar Fotos Richtung Osten, sowie von der über der Dachkante stehenden Mondsichel (darunter die Erdsichel auf dem Mondlandungsbild) und gehe dann wieder auf das Zimmer und verfasse bis etwa 23 Uhr den Text von heute in Rohschrift.

Mond- und Erdsichel über der Dachterrasse des Hotels

Montag, 15. April 2024

Noch einmal habe ich einen Tag im Kennedy Space Center geplant und mich bereits gestern Abend für den heutigen Abend mit Ben Cooper in der Space Bar auf der Dachterrasse des Hotels verabredet. Nach dem Frühstück geht es wieder mit dem Auto rüber über die neue Brücke. Wieder 10$ für Parkplatz 5, und nach der Sicherheits- und Ticketkontrolle in den Rocket Garden. Ich gehe gleich weiter zu den Bustouren. Wie 2001 verläuft diese, nun stehen ganz neue Busse zur Verfügung, am Vehicle Assembly Building vorbei. Doch jetzt dreht der Bus noch eine Runde vor dem Gebäude, damals, meine ich, war es nicht so. In diesem Hochhaus werden die Raketen montiert und dann mit großen Panzerwagen zu den Startrampen gefahren.


Vehicle Assembly Building: Hier werden Raketen montiert

Es geht weiter zum Apollo-Gebäude. Hier gibt es auch erst einen kurzen Film, der einen in die 1960er Jahre zurückversetzt, dann eine Startsimulation im damaligen Kontrollzentrum nebenan, mit bebenden Sitzbänken. Dann geht es weiter in die Halle mit der Saturn V Rakete. Wie bereits 2001 beeindruckend in ihrer Größe. Draußen gibt es eine Tribüne mit Blick auf zwei Startrampen (die 39A und die 39B). Das ist einige Fotos wert. Ich höre dann die Ansage, dass gleich ein Film zur Mondlandung beginnt und gehe zum Kino. Eine weitere beeindruckende Vorstellung: Unter anderem wird ein Modell der Mondlandefähre herabgelassen, und eine Mondlandungssituation wird auf der Bühne dargestellt.


Saturn V Rakete

Darstellung der Mondlandungssituation im Kennedy Space Center

Apollo Kapsel

Beobachtungstribüne und Startrampen 39A und 39B

Startrampe 39B hinter einem See

Mondauto

Draußen auf der Tribüne finde ich noch ganz am rechten Rand einen Platz mit etwas Schatten zum Mittagessen, habe wieder Proviant in der Kühltasche dabei. Auch hier in dem Shop finde ich kein T-Shirt das mich überzeugt (wie bereits gestern im Shop im Visitor Complex). Das Space Shuttle Motiv ist zwar ganz schön, aber veraltet (habe bereits ein T-Shirt mit Space Shuttle von 2001), und die anderen gefallen mir von der Gestaltung her nicht. Nach einer Weile stelle ich mich für die Rückfahrt mit einem Bus an, es geht wieder am Vehicle Assembly Building vorbei, ich nehme mit der GoPro einen Teil der Fahrt auf, so wie 2001 mit der Videokamera. Das könnte ein „Zeitvergleich“ werden.

Als zweiten Punkt für heute habe ich mir die Space Shuttle Start Simulation vorgenommen. Nach vielleicht nur 10 Minuten Wartezeit geht es los: Jeder stellt sich auf einen der markierten Punkte (auf dem Weg dahin wird ein obligatorisches Foto gemacht). So war es gestern auch schon bei den „Flügen“ im Spaceport KSC“. Das ist gut organisiert, und alle halten sich dran. Das Briefing ist streng, hier scheint es zur Sache zu gehen.


Eingang zum Space Shuttle Launch Simulator

Und tatsächlich: Im Sitz einmal angeschnallt geht es erstmal um 90° in die Vertikale! Der Countdown läuft, und dann gehen die Vibrationen los. Auf verschiedenen Bildschirmen kann man verfolgen was gerade läuft und in welcher Position sich das Shuttle gerade befindet. Nach ca. 2 Minuten ist man schon im Weltraum. Obwohl das alles simuliert ist, ist es sehr beeindruckend und mitreißend. Nach wenigen Minuten befindet man sich über Spanien über der Notlandebahn in Saragossa. Dann öffnet sich oben die Klappe und man sieht die Erde über sich schweben, mit dem Mittelmeer.

Und dann ist die Vorstellung auch schon zu Ende, eine Landung gehört nicht dazu. Die gibt es an verschiedenen Simulator-Stationen mit Joystick und Bildschirm. Aber das bekomme ich kein einziges Mal hin. Ich habe das Gefühl, das System reagiert viel zu langsam auf meine Inputs. Ohne Erfahrung geht das eben nicht.


Space Shuttle Atlantis aus der Nähe

Dann frage ich mich was der „Space Mirror“ ist und sehe ihn mir an. Er ist ein Mahnmal für die bei der Weltraumfahrt umgekommenen Astronauten. Es ist noch viel Platz für Namen frei, und das wird auch hoffentlich so bleiben. Auf dem Weg dahin sehe ich den Mond über den im Freien ausgestellten Raumfahrzeugen, als ob sie den Weg dorthin weisen.


Mond über dem Kennedy Space Center

Dann gehe ich zum IMAX-Kino, das ich auch 2001 besucht hatte. Die Zeit reicht noch gerade, um die 16:30 Uhr Vorstellung zu besuchen, die um 17:10 Uhr endet. Im Film werden die verschiedenen aktuellen Ansätze der Weltraumfirmen vorgestellt. Einige kenne ich, wie SpaceX, andere nicht, wie beispielsweise den Ansatz mit einer Schleuder eine Rakete ohne Treibstoff nach oben zu schießen.

Nach dem Film gehe ich zum Auto. Ein zwitschernder Vogel sitzt im Rocket Garden auf dem Schild zum „Gateway“, hinter ihm eine Rakete und daneben die Sonne, dieses schöne Motiv nehme ich noch mit.


Vogel im Rocket Garden

Doch dann aber die Fahrt zurück zum Hotel, schnell geduscht und anschließend warte ich noch kurz in der Lobby auf Ben Cooper. Zu um 18 Uhr haben wir uns verabredet, und dann ist er auch schon da. Wir fahren mit dem Aufzug in den 6. Stock. Beim Abendessen mit dem Blick auf den Kennedy Space Center und auf einige Startrampen tauschen wir einige Gedanken zu Sonnenfinsternissen und Raketenstarts aus. Seine Bilder von Raketenstarts sind absolute Spitzenklasse. Die sehe ich immer wieder auf Facebook. Als ich ihm erzählte, dass ich den Raketenstart am 12. April um 21:22 Uhr knapp verpasst habe erzählte er, der Start habe später stattgefunden, und zwar gegen 21:40 Uhr (Er zeigt seine Bilder auf seiner Seite https://www.launchphotography.com/Starlink_6-49). Da war ich schon im Terminalgebäude des Flughafens. Seine GoPro Aufnahme von einem Turm, in vielleicht 10 oder 20 Metern Abstand zur startenden Rakete ist einzigartig, die schickt er mir im Nachgang, und auf Nachfrage sagt er, die GoPro habe das überstanden, klasse!

Nachdem wir uns an der Hoteltür verabschiedet hatten, geht für mich jetzt diese Reise zu Ende, denn das nächste Ziel heißt „zu Hause“. Ich checke online in meine Flugkombination Orlando-Charlotte / Charlotte-Frankfurt ein. Noch den Bericht des Tages geschrieben und begonnen meine Sachen flugfertig zu machen. Nun gibt es für mich wieder echte Flüge!

Dann möchte ich nur noch die Bilder, die von mir im Kennedy Space Center aufgenommen wurden herunterladen, ich habe nach dem Fotografieren zweimal einen QR-Code bekommen (heute einen und gestern einen). Doch beim Bezahlen über Paypal merke ich, dass ich mein Tablet (iPad) nicht finde, das ich jedoch für den 2. Faktor zur Authentifizierung brauche. Ich kann mich nicht erinnern es irgendwo liegen gelassen zu haben. Am Vormittag vor der Fahrt zum Kennedy Space Center war es noch da. Keine Ahnung, wo und wie es abhandengekommen sein könnte. Wahrscheinlich habe ich es beim Umpacken aus meiner Bermuda Umhängetasche herausgenommen, zum Beispiel beim Objektivwechsel, und so irgendwo im Kennedy Space Center liegengelassen.

Ich sehe im Auto nach: Nichts, überlege mir, wie ich an ein Fundbüro des Space Centers komme. Und plane, ob die Zeit morgen noch reicht, dort noch hinzufahren und zu fragen. So wie ich einschätze räumen die Mitarbeiter vor Ort solche Fundsachen weg, auch aus Sicherheitsgründen. Ergebnis: Zeitlich gibt es noch einen kleinen Slot von ca. 45 Minuten. Wenn ich um 8.30 Uhr bei Öffnung des Haupttores da wäre hätte ich bis 9:15 Uhr Zeit, um dann gegen 10:00 Uhr am Flughafen zu sein, den Mietwagen abzugeben und dann 3 Stunden vor Abflug gegen 10:45 Uhr den Koffer abzugeben. Den Verkehr muss ich morgen checken. Es sehr spät geworden, es ist schon nach 2:30 Uhr. Und mal wieder zu viel Adrenalin, und das zu später Stunde. In Deutschland hat der Vormittag schon begonnen. Ganz langsam komme ich zur Ruhe und habe ein paar Stunden Schlaf.

Dienstag, 16. April 2024 und Mittwoch, 17. April 2024

Gegen 6:30 Uhr werde ich langsam wach, der Handywecker ist auf 7:00 Uhr gestellt. Heute heißt es einfach nur den Plan abarbeiten, und in den Zeitslots bleiben, und in Zweifel das Tablet aufgeben. An der Rezeption frage ich noch, ob es ggf. im Hotel aufgefunden wurde. Nach dem Frühstück packe ich das Auto. Beim Auschecken wird eine Notiz im System hinterlassen, falls das Tablet auftauchen sollte, bisher wurde es nicht gefunden.

Nach etwa 10 bis 15 Minuten bin ich am Eingang des Kennedy Space Centers. Es ist ganz leer. Die Dame am Ticketgate erkennt meine Situation, ist sehr hilfsbereit. Da ja auch niemand aufgehalten wird ruft sie beim Fundbüro an und kündigt mich an, weist mir den Weg, Parkplatz 4. Ich fragte zuvor nach einem 1-Stunden-Ticket, weil ich nicht unbedingt 10$ für das kurze Parken zahlen wollte, aber sie ließ mich kostenlos rein. Sehr nett.

Auch die Dame beim Fundbüro war sehr nett und hilfsbereit. Erst musste jemand mit Schlüssel kommen. Das war vielleicht nach einer viertel Stunde der Fall, dann wurde der Schlüssel aber anscheinend gar nicht benötigt. Drei Schranktüren hinter dem Schreibtisch wurden von ihr geöffnet. In der dritten eine Plastiktüte, aus der sie dann einen Gegenstand nahm, den ich gleich für sehr nach meinem Tablet aussehend erkannte. Sie zeigte es mir, ich gab mein Passwort ein, und es passte! Welch eine große Freude, ich habe es geschafft mein Tablet wieder zubekommen und mit nach Hause nehmen zu können. Ich sprach mit ihr schon über Nachsendeoptionen und dachte, ob ich ggf. Ben Cooper fragen sollte es für mich abzuholen, falls es später auftauchen sollte. Alles nicht mehr nötig, ich habe es in der Hand. Ich bedanke mich mit großer Freude und nehme draußen noch ein kurzes Handyvideo auf, in dem ich meine Freude und das Ende meiner Reise mitteile. So, nun geht es zum Flughafen, ich bin genau in der Zeit. Renate hatte ich per WhatsApp auf dem laufenden gehalten, sie freut sich mit mir.

Auf dem Weg zum Flughafen finde ich keine Tankstelle in seiner Nähe, also noch einmal eine Runde vom Terminal weg gedreht in Richtung Downtown Orlando. Alles nur Hotels, eines nach dem anderen, doch dann kommt schließlich eine Tankstelle. Ich fülle den halbvollen Tank voll und dann geht es zurück zum Flughafen. Entgegen den Anweisungen meines Google Maps Navis, das ich offline nutze, fahre ich aber nach Wegweiser zu den Mietwagen und erreiche somit die Alamo Abgabestelle am Terminal A. Dort gebe ich das Auto ab.

Nun suche ich den Weg zum Terminal B, denn da geht mein Flug ab, aber ich stelle bald fest, dass das nicht weit ist, alles ist innen zu erreichen. In Dallas hätte ich wohl ein Shuttle nehmen müssen, hier finde ich keines, aber dann den Weg innerhalb des Gebäudes. Nun läuft alles wie geplant, und ich bin sehr rechtzeitig vor Abflug durch die Security.

Es geht nach Hause, Flug über Charlotte. Da gehe ich nur kurz aufs Klo und nehme dann am Gate gegenüber den Flieger nach Frankfurt (ursprünglich war ein entfernteres Gate gelistet), nur wenige Minuten Wartezeit bis das Boarding beginnt.

Autobahn von Orlando nach Titusville

Brandwolke nordwestlich des Kennedy Space Center

Mondaufgang aus dem Flugzeug

Im Flug nach Frankfurt bearbeite ich meine nach dem 8. April aufgenommenen Bilder und mache sie fertig für den Upload auf eclipseland.com. Nach ein paar Stunden geht der Akku zur Neige, aber ich schaffe noch den Bericht von heute in Rohschrift in das Word-Dokument einzugeben. So geht die Nacht im Flug gut rum, ich sehe auf der Flugsimulation, bin schon vor der irischen Küste, nicht einmal mehr 2 Stunden bis Frankfurt.

Monmouth Beach New Jersey

Cape Cod

Erdschatten am Abend des 16. April 2024

Über Großbritannien setzt die Morgendämmerung ein, der Anflug auf Frankfurt kurz nach Sonnenaufgang bietet schöne Ausblicke, die ich in Foto und Video festhalte. Die Route geht über Bingen bis in die Region Gelnhausen, nördlich an Frankfurt vorbei, mit Landung in Richtung Westen. So habe ich zweimal einen Blick auf die Frankfurter Skyline. Zarter frischer Frühling hat sich über die Region gelegt, hin und wieder Wolken und Himmel in Pastellfarben.

Erdschatten am Morgen des 17. April 2024

Nebel in Flusstälern östlich von Senheim an der Mosel

Wolke im Licht des Sonnenaufgangs

Mainz und Wiesbaden

Hofheim und Frankfurter Flughafen

Eschborn

Frankfurt

Landung in Frankfurt kurz nach Sonnenaufgang

Ankunft ist am Terminal 2, es ist außerordentlich leer. Als ich am Gepäckband ankomme sind die Koffer für in 10 Minuten angekündigt. Ich rufe Renate an, sie kommt mich abholen. Staubedingt etwas später als geplant, aber was ist das schon im Vergleich zu den Planänderungen dieser Reise, die nun ein gutes Ende findet. Erschöpft komme ich zu Hause an. Nach ein paar Stunden Schlaf sind am späten Nachmittag auch deren Symptome einschließlich des Hustens besser (obwohl es im Traum weiterging: Als Teilnehmer des Besucherprogramms am Kennedy Space Center bestünde meine Aufgabe darin, für eine Reisegruppe die Beobachtung eines verschobenen Raketenstarts an der Startrampe 39B zu organisieren, es sei der letzte Platz für diesen und es bliebe nur noch wenig Zeit). Noch ein paar Stunden wieder fitschlafen, und ich freue mich auf das nächste „Projekt“, meinen runden Geburtstag am kommenden Sonntag.

Stephan Heinsius, 01.-19.04.2024

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