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Eismond

Die Totale Mondfinsternis am 21. Januar 2019 in Dreieich

Zum Wochenende 19./20. Januar 2019 wurde das wolkenreiche und teils regnerische Wetter, das seit Dezember vorherrschte, durch ein Hochdruckgebiet abgelöst. Rechtzeitig zur totelan Mondfinsternis am frühen Morgen des 21. Januar 2019!

Natürlich geht die Erinnerung zurück an den 27. Juli 2018, als der total verfinsterte Mond während der Abenddämmerung nach einem heißen Sommertag über Dreieich auftauchte, und die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts unerwartet viele Menschen zur Mondbeobachtung motivierte.

Etwa ein halbes Jahr später kündigt sich mit Temperaturen um die -5° zum Sonnenaufgang eine Eismond-Finsternis an. Statt der Länge der Finsternis glänzt diese mit der Größe des verfinsterten Mondes, denn nun steht der Mond der Erde nah statt fern und verspricht ein Himmelsschauspiel am Westhimmel über Dreieich. Spannend wird die Transparenz der Atmosphäre, denn davon hängt ab, wie stark sich das helle Licht der Vorfeldbeleuchtung des Frankfurter Flughafens auswirken wird, der unterhalb des verfinsterten Mondes liegen wird.

Noch bevor der Handywecker am 21. Januar um 03:15 Uhr klingelt wache ich auf und bin wie geplant gegen 3:30 einsatzbereit. Noch ist der Mond voll, der von einem klaren, aber doch etwas milchig wirkenden Himmel über Dreieich scheint. Die Milchigkeit ist entweder eine subjektive Wahrnehmung oder kommt durch die recht feuchte Luft zustande, denn es sind bei genauerem Hinsehen und auch fotografisch keine Cirren zu erkennen. Ich beginne mit ein paar Aufnahmen des Vollmondhimmels während die nicht wahrnehmbare erste Halbschattenphase der totalen Mondfinsternis um 03:36 Uhr beginnt.

 Die Beobachtungsinstrumente stehen bereit: Celestron C5 mit Nachführung, Walimex 650-1300 f8-16 und Scopos ED APO 66/400 (03:31 MEZ)

 Die erste Halbschattenphase hat gerade begonnen. Im Westen ist die Vorfeldbeleuchtung des Frankfurter Flughafens am Horizont zu sehen (03:37 MEZ)

 6 Minuten nach Beginn der Halbschattenphase ist noch keine Abschattung zu erkennen (03:41 MEZ)

Die Halbschattenfinsternis wird sichtbar (04:05 MEZ)

Knackig steht er da, der Vollmond durch das Walimex 650-1300 f8-16 Refraktorobjektiv auf das Display meiner neuen Canon EOS M50 betrachtet. Gegen 4:00 Uhr wird die Halbschattenfinsternis am oberen rechten Rand des Mondes als ein Hauch von Schatten erkennbar. Bequem von der Dachterrasse fotografiert und gleich in den im Warmen stehenden PC gebracht und online gestellt, sind meine ersten Bilder bereits im Internet zu sehen.

Doch so einfach und bequem geht die Beobachtung nicht weiter, denn es ist etwa -7° kalt, und die Beobachtungsinstrumente bestehend aus einem Walimex 650-1300 f8-16 Refraktorobjektiv, einem Scopos ED APO 66/400 Refraktor, einem Celestron C5 mit Nachführung, einer Canon EOS450D und schließlich einer neuen Canon EOSM50, die als Ersatz meiner Canon EOS600D dient, die im September 2018 ihre Funktion eingestellt hat. Die EOSM50 hat einen sehr viel lichtempfindlicheren bzw. rauschärmeren Chip als die EOS600D, jedoch wurde an einem Kabelauslöseranschluss gespart. Es gibt zwar als Alternative nun die Möglichkeit die Kamera per Touch Screen bequem auszulösen, doch wie es sich am Morgen gezeigt hat sind dabei doch recht viele Bilder bei Brennweiten ab 400mm verwackelt. Der Vorteil, dass diese Kamera keinen Spiegel hat, wird durch den fehlenden Kabelauslöseranschluss leider wieder vergeben.

Beginn der ersten partiellen Phase (04:34 MEZ)

Erste partielle Phase (05:16 MEZ)

Erste partielle Phase (05:22 MEZ)

Kurz vor Totalität 400mm f6, ISO3200, 1/60s belichtet (05:38 MEZ)

 

Der total verfinsterte Mond mit den Sternen Castor und Pollux (05:51 MEZ)

Totale Mondfinsternis über der Vorfeldbeleuchtung des Frankfurter Flughafens (05:52 MEZ)

Den Scopos und ein Stativ für Normal- und Weitwinkelaufnahmen habe ich auf der oberen Dachterrasse positioniert. Von hier aus sieht man bis zur Vorfeldbeleuchtung des Frankfurter Flughafens. Der Mond wird dunkler, die zweite partielle Phase ist gegen 5:30 Uhr weit fortgeschritten. Nun kommt auch der Scopos zum Einsatz. Schon vor Totalität sind zahlreiche Sterne in der Umgebung des Mondes erkennbar. Die passende Armbewegung zeigt: Der Mond steht etwas mehr als 20 Grad über dem Horizont, und das Streulicht  des Flughafens ist erstaunlich gering. Insgesamt wirkt die Vorfeldbeleuchtung dunkler als sonst. Täusche ich mich? Der Flughafen wird ja nicht wegen der Mondfinsternis sein Licht gedimmt haben?! Nein, vielmehr scheint es an den Luftschichten zu liegen. Die Inversionsschicht scheint ein Teil des Streulichts abzulenken, sodass es keine Beeinträchtigung für meine Totalitätsaufnahmen gibt. Der Mond ist inzwischen ganz in den Erdschatten eingetreten. Kurz vor und zu Beginn der Totalität um 5:41 Uhr wirkt diese Finsternis sehr bunt. Die obere Hälfte des verfinsterten Mondes wirkt blaugrau, während die untere in den erwarteten rötlichen Farben erscheint. Am oberen Rand bleibt es deutlich heller, wie eine weiße sehr schmale Sichel erscheint auch nach Totalitätsbeginn der rechte obere Rand des Mondes. Ein wunderbarer bunter und dunkler Anblick.

Totale Mondfinsternis 2019 in einem Sternenfeld bei 400mm f6, ISO1600, 1,3s belichtet (05:55 MEZ)

Inzwischen ist mein Walimex eingereift, richtig tiefgefroren. Ein paar Minuten nach drinnen und die Linsen gereinigt, das geht es wieder. Zum Maximum der Finsternis mache ich ohne Nachführung Aufnahmen durch diese Optik, dank des neuen Chips der Canon EOSM50 ist das möglich.

Nun geht es ans C5 ein paar nachgeführte Aufnahmen machen, doch die Kälte hat auch hier zugeschlagen. Am Geräusch höre ich, dass der Motor langsamer als normal läuft. Ich probiere es mal mit 5 Sekunden Belichtungszeit, dann mit einer neuen Batterie. Kurz darauf bliebt der Motor ganz stehen. Das erste Bild der Reihe gelingt noch, bei 0,6 Sekunden Belichtungszeit.

Totale Mondfinsternis 2019 bei 600mm f8, ISO6400 0,5s belichtet (06:09 MEZ)

 

Totale Mondfinsternis 2019 bei 1250mm f10, ISO6400 0,6s belichtet (06:19 MEZ)

Nun geht es raus auf die Wiesen östlich von Götzenhain. Ursprünglich wollte ich nur eine Kamera mit Stativ mitnehmen, doch dank der hohen Empfindlichkeit der Canon EOSM50 nehme ich auch das Walimex auf einem eigenen Stativ mit. Zum Ende der Totalität habe ich meinen Standort erreicht: Dort wo man zwei ineinander gewachsene Eichen vor dem im Westen gelegenen Ort sieht.

Die Eclipse sitzt mystisch über den Eichen. Erste Sonnenstrahlen erreichen den oberen Mondrand während der Mond langsam tiefer sinkt und ich mich weiter von den Eichen entferne, damit die Zweige das Geschehen am Himmel nicht verdecken. Nun geht es bei 80mm mit Tele. Hinter mir setzt die Dämmerung ein, Venus und Jupiter stehen im Sternbild Skorpion, auch das ist ein paar Fotos wert. Es wird nach und nach heller, die nach unten geöffnete Mondsichel wird breiter und langsam werden die bereiften Wiesen erkennbar. Am Nordhorizont schlängeln sich Autolichter auf der Straße zwischen Dietzenbach und Götzenhain in Richtung Westen.

Mystische Sichel-Eclipse an den Eichen bei Götzenhain (06:48 MEZ)

Zweite partielle Phase (06:56 MEZ)

Venus und Jupiter im Sternbild Skorpion (07:03 MEZ)

Eichen-Eclipse (07:14 MEZ)

Mondfinsternis über den vereisten Wiesen östlich von Götzenhain (07:17 MEZ)

Ich spüre meine Finger trotz Handschuhen schon eine Weile kaum noch. Es fällt wirklich schwer, die kleinen Tasten an der EOSM50 im Dunkeln zu finden und bei kaum Gefühl in den Fingern zu bedienen. Die direkte Bedienung der Funktionen über den Touch-Screen ist – warum auch immer – heute nicht möglich. Zeit die Stelle in der Konfiguration zu finden gibt es zu wenig, und unter diesen Bedingungen versuche ich es erst gar nicht, sondern fotografiere und genieße den mystischen Blick des verfinsterten Sichelmondes in den Eichen östlich von Dreieich-Götzenhain. Ich denke an die Kelten die hier vor Tausenden von Jahren lebten.

Zweite partielle Phase der Mondfinsternis neben den Eichen bei Götzenhain (07:26 MEZ)

Mondfinsternis über den vereisten Wiesen östlich von Götzenhain (07:33 MEZ)

Mondfinsternis im Eichengeäst (07:39 MEZ)

Eine Minute vor Ende der zweiten partiellen Phase (07:50 MEZ)

Eichen Eclipse in der Morgendämmerung (07:51 MEZ)

Es wird heller, der Mond zieht hinter die Eichen und sitzt als dicke Sichel zwischen den Zweigen. Schließlich steht er so tief, dass er über Bäumen am Horizont steht. Es ist hell geworden. Hunde-Spaziergänger sind unterwegs. Als ich nach meinem Weg über die Wiesen wieder am Auto angekommen bin sehe ich wie stark vereist meine Gerätschaften sind, und die Autoscheiben kratze ich frei, um Sicht bei der Rückfahrt zu haben. Jetzt merke ich, dass, obwohl die Sonne noch hinter dem Wald steht und erst auf dem Höchsten von Südosten scheint, der Tag bereits mit seiner üblichen Geschäftigkeit begonnen hat.

Monduntergang über Bäumen und Büschen bei Götzenhain (07:57 MEZ)

Zweite Halbschattenphase (07:59 MEZ)

Monduntergang im Feld bei Götzenhain (08:02 MEZ)

Monduntergang neben drei Weiden (08:09 MEZ)

Monduntergang hinter einem Heuschuppen (08:10 MEZ)

Zu Hause angekommen strahlt die Sonne. Ich hole die verbliebenen auch hier vereisten Beobachtungsinstrumente nach drinnen. Am PC angekommen übertrifft die Telekom meine Erwartungen was Geschwindigkeit angeht. Statt für Samstag 19.01. wurde der Umschalttermin von ISDN auf IP vor einiger Zeit auf Montag 21.01. spätestens 21 Uhr gelegt. Bereits vor 9 Uhr ist ISDN und DSL abgeschaltet. Der neue Router steht ja schon einige Zeit bereit. Also heißt es am Nachmittag diesen im Keller zu installieren, damit das Festnetz wieder geht. Hotspot via Mobilfunk erwies sich als zu langsam für eclipseland’s Backend.

Schließlich geht dieser Text dann noch vor 17 Uhr in neuer ungewohnter Geschwindigkeit von meinem PC ins Internet.

Stephan Heinsius, 20. und 21. Januar 2019, letzte Bilder hinzugefügt am 26. Januar 2019 (leider mit immer noch spürbaren Erfrierungen an den Fingern).

Nachtrag vom 23. Januar 2019:

Ein paar Tage nach der Mondfinsternis erfahre ich von zwei Einschlägen auf dem Mond zu Beginn der Totalität. Zu der Zeit hatte ich gerade eine Videosequenz laufen. Tatsächlich ist der erste Einschlag zu sehen, den zweiten Einschlag zwei Minuten später habe ich gerade verpasst, etwa eine Minute vorher endet meine Sequenz.

Hier ein Ausschnitt aus dem HD Videobild, aufgenommen bei 400mm Brennweite. Der Einschlag leuchtet am dunklen Mondrand links auf.

Einschlag auf dem Mond kurz nach Beginn der Totalität gegen 05:42 MEZ (Ausschnitt aus HD-Videoaufnahme)

Auch am Himmel über Dreieich gab es während der Mondfinsternis, ich weiß nicht mehr genau wann, einen etwa venushellen Meteor mit Nachleuchten, der in etwa 40-50 Grad Höhe im Süden aufleuchtete (von ONO nach SSW). Es könnte vielleicht zum Maximum der Finsternis gewesen sein.

Nachtrag mit Text und Bild zum Einschlag ergänzt am 23. Januar 2019.

Nachtrag vom 03. Februar 2019:

Hier eine Zusammenstellung meiner Videoaufnahmen, einschließlich des Einschlags:

 

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