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Mondfinsternis in Cirrenbegleitung

Die Partielle Mondfinsternis in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 2019 in Dreieich

Der 16. Juli 2019 ist ein sommerlicher, aber nicht heißer Tag in Dreieich. Es ist sonnig und etwas dunstig, der Taunus ist als zartes hellblaues Band im Norden und Nordwesten zu sehen. Die Wettervorhersage für den Mondfinsternisabend am 16. Juli war in den letzten Tagen für die Region durchweg gut, doch heute morgen auf einmal deutlich verschlechtert, mit von Nordwesten hereindriftenden Wolken. Doch tagsüber zeigt der Himmel ein fast wolkenloses Bild, hin und wieder recht dünne mitteltiefe Wolken (die anscheinend die Thermik über der recht trockenen Gegend verschwinden lässt) sowie ganz vereinzelt ein paar kleine Cirren. Gegen 18 Uhr machen sich immer mehr Cirren im Nordwesten bemerkbar, die Sonne scheint durch einen schwachen Schleier.

Am besten sieht es noch über dem Horizont des Mondaufgangspunkts im Südosten um den Azimut 130 herum aus. Auf der Dachterrasse bringe ich schon einmal den Scopos 66/400 APO-ED Refraktor und das Walimex 650-1300 in Stellung. Ein weiteres Stativ steht für eine Zeitrafferaufnahme bereit. Die Situation erinnert an den 27. Juli 2018, nur ist es nicht so heiß.

Gegen 20 Uhr sind die Cirren bis etwa 4 Grad über den Südosthorizont gekommen, dort wo zwei Stunden später der Mond in den Kernschatten eintreten soll. Das wird sicher eine milchige Angelegenheit. Vielleicht gibt es aber auch schöne Begleiterscheinungen, wenn die Cirren nicht zu dicht sind, und oft werden sie nach Sonnenuntergang schwächer.

Sonne in Cirrenfeld, mit Nebensonnen

Gegen 21:20 Uhr gehe ich hoch, erwische noch die untergehende Sonne und sehe dann nach dem aufgehenden Mond, den ich dann auch recht gleich entdecke. Einem Baum kann ich gerade noch so ausweichen und bekomme den aufgehenden Mond zwischen zwei Bäumen in den Blick. Deutlich ist links bereits die Abschattung der Halbschattenfinsternis zu sehen.


Sonnenuntergang am 16.07.2019 (21:27 MESZ)


Mondaufgang mit Halbschattenfinsternis zwischen Bäumen (21:39 MESZ)

Mondaufgang mit Halbschattenfinsternis über Götzenhain (21:41 MESZ)

Dann ist es Zeit für meinen Plan, den Mond bei 3 bis 4 Grad Höhe über den Häusern Im Höchsten zu fotografieren. Das vor der Haustür bereit stehende Fahrrad nutze ich um die Strecke bergab in wenigen Minuten zurückzulegen. Zufälligerweise steht dort im Feld im Nordwesten von Dreieich-Götzenhain etwas Schilf, das sich schön vor dem aufgehenden Mond bei geschlossener Blende und hoher ISO Zahl in der Dämmerung gut fotografieren lässt. Mit dem höher steigenden Mond gehe ich den Häusern entgegen und mache so von verschiedenen Standorten aus Bilder des Mondes über den Häusern. Leider ist er bei ca. 4 Grad nicht mehr zu sehen, denn er verschwindet hinter einer Cirrenbank, nur noch Steulicht ist erkennbar. Nach einigen Minuten kommt er wieder hervor. In der Zwischenzeit ist er um 22:01 MESZ in den Kernschatten der Erde eingetreten.

Mondfinsternisaufgang mit Schilf (21:53 MESZ)

Mondfinsternisaufgang mit Schilf (21:54 MESZ)

Mondfinsternis Im Höchsten in Dreieich-Götzenhain (22:14 MESZ)

Mondfinsternis zwischen drei Nadelbäumen (22:24 MESZ)

Dann geht es mit dem Fahrrad zurück, und wieder hoch auf die Dachterrasse, wo ich nun den partiell verfinsterten Mond mehr oder weniger stark von Cirren begleitet, aber nicht wieder von ihnen vollständig verdeckt, fotografiere und beobachte. Der total verfinsterte Bereich auf dem Mond ist aber erst lange nach der maximalen Phase um 23:30 MESZ zu sehen. Gegen 23:10 Uhr zieht die hell leuchtende ISS weit oberhalb des Mondes hinweg.

22:43 MESZ

 

23:00 MESZ

 

Maximum der Finsternis, 23:30 MESZ

 

23:38 MESZ

 

Weitwinkelaufnahme um 23:45 MESZ: Mond, Saturn und Jupiter, über dem Mond das Sternbild Adler

 

23:49 MESZ

 

23:55 MESZ

00:06 MESZ

 

00:08 MESZ

Rechts neben dem Mond Saturn, rechts im Bild Jupiter, 00:13 MESZ

 

00:17 MESZ

00:17 MESZ

 

00:21 MESZ

00:39 MESZ

 

00:39 MESZ

 

00:41 MESZ

 

00:44 MESZ

 

Der wieder hellere Mond, daneben Saturn und rechts Jupiter, 00:52 MESZ

 

00:53 MESZ

 

00:54 MESZ

 

00:57 MESZ

 

00:58 MESZ

Beim Austritt aus dem Kernschatten um 01:00 MESZ ist der Mond nur noch von wenigen Cirren begleitet, sodass der dunkle Teil des Mondes bis kurz vor dem Austritt gut fotografiert werden kann, beim Maximum war das leider wegen der starken Cirrenbedeckung nicht möglich.

Der Mond hat den Kernschatten verlasssen, rechts oben ist der Halbschatten noch sehr stark, 01:03 MESZ

 

01:05 MESZ

 

01:07 MESZ

 

01:25 MESZ

Inzwischen liegt das Cirrenfeld unter dem Mond. Saturn und Jupiter, sowie einige Sterne sind auch gut zu sehen. Wie ein X kreuzen sich zwei Kondensstreifen um die Mondfinsternis herum. Der Wind verschiebt sie im Laufe der Zeit nach Osten. Gegen 1:30 Uhr ist die Halbschattenfinsternis noch gut zu erkennen, gegen 2:00 Uhr jedoch nicht mehr. Mit dem Austritt aus dem Halbschatten um 02:19 MESZ endet die Mondfinsternis und der Vollmond ist wieder voll.


Der Halbschatten ist noch deutlich zu erkennen, 01:33 MESZ

 

Der Halbschatten ist kaum noch zu erkennen, 02:08 MESZ


Der Mond ist wieder voll, 02:32 MESZ

 

Partielle Mondfinsternis am 16./17.07.2019 - Videosequenzen in Zeitraffer

 

Stephan Heinsius, 17. Juli 2019 (Video hinzugefügt am 18.07.2019)

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